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Konzept für Strandversorgung in der Diskussion

Die Grenzen des Wachstums

Foto: Peter Marnitz

Insel Sylt.(P.M.) Ob Austern oder Dauerlutscher, Saunahitze oder kalte Duschen – an den Sylter Stränden müssen Badegäste auf fast nichts verzichten. Einfache Kioske oder feine Spitzenrestaurants, berühmte „Hütten“ oder Bretterbuden, alle diese Gebäude stehen an den Stränden oder mitten in den Dünen und gehören zur sogenannten Strandversorgung. Vor mehr als zehn Jahren machten sich die Sylter Gemeinden daran, die verschiedenen Einrichtungen zu erfassen und ein Strandversorgungskonzept zu entwickeln, das schließlich 2011 verabschiedet wurde. Jetzt, nach einem Jahrzehnt Erfahrung, steht dieses Konzept wieder auf der Tagesordnung der Gemeindevertretungen. Es soll evaluiert und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden. Seit Monaten wird nicht nur in den Fachausschüssen über Zukunft, Sinn und Zweck der Strandversorgung diskutiert. Auch die Naturschutzgemeinschaft Sylt und das Bürgernetzwerk „Merret reicht’s“ haben Stellung bezogen.
Ziel war es 2011, eine systematische Grundlage für die Beurteilung von Strandversorgungseinrichtungen zu erstellen. Es sollte dabei insbesondere die Thematik der Verträglichkeitsgrenzen aus Sicht des Natur- und Küstenschutzes behandelt und ein Konzept für die ausgewogene weitere Entwicklung erstellt werden. Je nach Art der Versorgung – Kiosk oder Restaurant – wurden Größenklassen festgelegt. Restaurant-Betreiber sollten inklusive Terrassen eine Fläche von maximal 500 Quadratmetern nutzen können. Diese Grenze, die durch Ausnahmeregeln wie das Angebot öffentlicher Toiletten oder Strand-Zugangswege ausgeweitet werden konnte,

wurde schon vor zehn Jahren an manchen Standorten deutlich überschritten. Plan und Wirklichkeit passten bereits 2011 nicht immer zusammen.

Die in diesem Jahr von der Verwaltung festgestellten Nutzungsgrößen aller derzeit existierenden Strandversorgungs-Einrichtungen kommt auf eine Überschreitung von 750 Quadratmetern gegenüber dem alten Konzept. Das ist unter anderem eine Grundlage für die Diskussion über eine aktuelle Fortschreibung des Konzeptes.

Die Naturschutzgemeinschaft Sylt begrüßt es zwar grundsätzlich, dass es ein gesamtinsulares Konzept gibt, bringt aber acht schwerwiegende Bedenken in die Diskussion ein. So werde zum Beispiel der erhebliche Flächenverbrauch von Parkplätzen mitten in der geschützten Natur nicht berücksichtigt. Auch mit der vorgeschlagenen Vergrößerung einiger Nutzungsarten sind die Naturschützer nicht einverstanden. Dagegen steht die Forderung, Erweiterungen von Gastronomiebetrieben, die nicht dem ursprünglichen Konzept entsprechen, zurückzubauen. Überprüft werden müsse auch, ob in der Neufassung des Konzeptes mögliche Reserveflächen für spätere Neubauten tatsächlich nötig seien.

Grundsätzlicher fällt die Kritik von „Merret reicht’s“ aus. Mit den „Reserveflächen“ im neuen Konzept wird eine Ausweitung der Strandgastronomie um sieben weitere Betriebe und damit ein gesteigerter Flächenverbrauch von 50 Prozent befürchtet. Man sieht in der Fortschreibung des Konzeptes eine Aushebelung des Naturschutzes, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könne. Außerdem habe sich die die Gastronomie teilweise so entwickelt, dass sie mit dem Sinn der Strandversorgung nicht mehr viel zu tun habe. So kommt „Merret“ zu dem Schluss: „Gastronomie gibt es überall. Der Sylter Strand hingegen ist ein einzigartiger Schatz.“

Kritisch sehen auch die Parteien in der Sylter Gemeindevertretung die Entwicklung. So ist die SPD-Fraktion nicht bereit, ein unbegrenztes Größenwachstum der Flächen hinzunehmen. Zwar sei es nötig, die Daten, die schon bei der Erstellung des Konzeptes nicht stimmten, jetzt realistisch in die Neufassung einzubeziehen, aber mehr als 600 Quadratmeter dürften auch die größten Betriebe nicht in Anspruch nehmen. Das Prinzip dürfe dann nicht noch durch rechtlich nicht abgesicherte Ausnahmeregeln aufgeweicht werden.

Vermutlich in der August-Sitzung des Bau- und Planungsausschusses wird die Strandversorgung wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Diskussionen werden auch danach sicher nicht beendet sein, geht es doch auch grundsätzlich darum, die Grenzen zwischen Tourismus und Naturschutz abzustecken.


Veröffentlicht am: 22.07.2021
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