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Keine depressive Grundstimmung in der Sylter Wirtschaft – aber:

Wunsch nach Planungssicherheit

Foto: Peter Marnitz Wann geht‘s bei Gosch im Lister Hafen wieder los? „Die Politik muss uns rechtzeitig ein Signal geben“, fordert Jürgen Gosch.

Von Peter Marnitz

Insel Sylt. Ob Unternehmer, Mitarbeiter, Touristiker oder Verbandsvertreter – auf Sylt herrscht Einigkeit: Wir wollen Sicherheit! Noch wird bundesweit heftig darüber diskutiert, wann es unter welchen Bedingungen zu einer Lockerung der Lockdown-Beschränkungen kommen darf. Gerade auf der vom Tourismus angetriebenen Insel erhoffen jetzt alle Beteiligten Planungssicherheit. So kann es für manche Unternehmen existenziell wichtig sein, wenn zur Ostersaison wieder Gäste anreisen dürfen. Aber, darauf legen zum Beispiel der Gastronom Jürgen Gosch und der Hotelier Dirk Erdmann Wert: „Die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter hat höchste Priorität! Es darf nicht um jeden Preis geöffnet werden!“ Wie robust Handel, Handwerk und Gastronomie auf Sylt der Corona-Krise trotzen, haben jetzt die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) und der Verein Sylter Unternehmer (SU) in einer breit angelegten Umfrage erforscht. Von 12. bis 15. Februar konnten sich die Betriebe über ihre derzeitige Situation und ihre Erwartungen für die Zukunft äußern. Heraus kam ein gemischtes Bild, das auch unabhängig von der Branche eine breite Vielfalt zeigte. So sieht sich zum Beispiel ein Drittel aller Unternehmen bei einem Ausbleiben des Ostergeschäfts in der Existenz gefährdet, während der Rest eine Fortdauer des Lockdowns durchaus für verkraftbar hält. Ronald Glauth, Geschäftsführer der Wirtschaftsgesellschaft der SU: „Es wäre eine große Hilfe, wenn die angekündigten Hilfen und Überbrückungszahlungen nicht so durch die Bürokratie gebremst würden.

Bei manchen Unternehmen nimmt die Liquidität deutlich ab. Wir brauchen Perspektiven, damit wir vernünftig planen können.“ Auch für Sylter Unternehmer hat die Sicherheit höchste Priorität, sie hoffen auf den verstärkten Einsatz von Schnelltests, so Glauth: „In unserem gemeinsamen Konzept ist für Gäste der Test von der Anreise obligatorisch – und Beschäftigte sollen hier regelmäßig getestet werden. Weitere Sicherheit kann die Luka-App bieten.“
Auch Jürgen Gosch, der in der Saison rund 360 Menschen auf der Insel beschäftigt, liegt vor allen Dingen das Wohl seiner Beschäftigten am Herzen: „Es sind meine Mitarbeiter, die mich immer anrufen und fragen, wann es endlich losgeht. Von den rund 360 Menschen kommen rund 70 bis 80 aus Polen. Wenn es wieder losgeht, müssen die ja erst einmal in Quarantäne. Allein deshalb brauchen wir einen Vorlauf. Wir können nicht von Null auf Hundert durchstarten. Die Politik muss uns rechtzeitig ein Signal geben. Aber wir starten nur, wenn alles ganz sicher ist. Mir geht es um das Wohl der Menschen. Ich bin seit 56 Jahren auf der Insel selbstständig, um die Existenz meines Unternehmens muss man sich keine Sorgen machen.“
Auch wenn der Morsumer Peter Kellner als angestellter Koch schon seit Dezember in Kurzarbeit ist, hat er Zweifel, ob eine Öffnung der Gastronomie schon zu Ostern vernünftig ist: „Was nützt es uns allen, wenn wir um jeden Preis zu Ostern alles wieder aufmachen, um dann bei steigenden Corona-Zahlen nach ein paar Wochen wieder in den Lockdown gehen. Das kann ein teures Vergnügen werden, wenn dann wieder Vorräte vernichtet werden müssen und alles wieder runtergefahren wird. Eine Öffnung der Gastronomie kommt für mich nur in Frage, wenn keine Gefahr besteht. Lieber langsam, aber sicher an den Start gehen.“
Auch wenn es durch eine Verlängerung des Lockdowns für rund ein Drittel der Betriebe eng werden könnte, fordert auch Hotelier Dirk Erdmann in seiner Eigenschaft als designierter erster Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sylt (Dehoga) keine Öffnung um jeden Preis: „Das werden am 3. März die Politiker entscheiden.“ Was ihn stört, ist die verzögerte Auszahlung der verschiedenen Hilfsgelder: „Von der Novemberhilfe wurden 20 Prozent ausgezahlt, von der Dezemberhilfe 50 Prozent und bei der Überbrückungshilfe III erlebt man ein Chaos. Von schnell und unbürokratisch kann hier nicht die Rede sein.“ Für seinen Betrieb ist Erdmann aber optimistisch: „Schließlich hatten wir eine sehr gute Sommersaison.“
Manche Großgastronomen machen sich Sorgen um die kleineren Betriebe mit nicht so großer Kapitaldecke. Die Umfrage von SMG und SU untermauert diese Sorgen: Rund 30 Prozent aller Unternehmen geben an, dass die Reserven bei einer Fortführung des Lockdowns über den 7. März hinaus nur noch für maximal vier Wochen reichten.
Es gibt da aber auch kleine Unternehmen, die ihre Flexibilität nutzen und mit der Krise gut leben können. Dazu gehört Roberto Förster, der in Westerland das Restaurant „Siam“ betreibt: „Ich kann nicht klagen. Mit unserem Außer-Haus-Verkauf bedienen wir fast mehr Kunden als zu den Zeiten des sanften Lockdowns. Wir haben uns ganz schnell auf die neue Situation eingestellt und sind sehr dankbar, dass die Sylter offensichtlich unsere Küche mögen. Meine fünf Mitarbeiter mussten deshalb keinen Tag in Kurzarbeit. Ich kann mich nur bei meinem Team und vor allen Dingen bei meinen treuen Kunden für den Zuspruch bedanken.“
Insgesamt, so strahlen es alle Gesprächspartner aus, herrscht trotz aller Klagen in der Sylter Wirtschaft keine depressive Grundstimmung.

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