- Werbeanzeige -

Die Probleme von Hörbehinderten in Zeiten der Pandemie

Wenn die Maske die Mimik verhüllt

Foto: Shutterstock // New Africa

Insel Sylt.(fbt) In Zeiten von Mund-Nasen-Bedeckungen in der Öffentlichkeit, die mehr als die Hälfte des Gesichts verdecken, geht eine Menge für die nonverbale Kommunikation verloren. Was tun Menschen vor diesem Hintergrund, die erschwert oder gar nicht hören können – und deshalb auf die Mimik des Gegenübers noch stärker angewiesen sind als gesunde Menschen? Gibt es für solche Fälle Sonderregeln? Oder bleiben die Hörbehinderten mit den Folgen der Maskenpflicht allein? Andrea Kintrup, stellvertretende Schulleiterin im Landesförderzentrum Hören und Kommunikation in Schleswig, präzisiert das Problem noch: „Es geht nicht nur um das Absehen von den Lippen (das richtige Wort für Ablesen, Anm. d. Red.). Das deutsche Alphabet hat 26 Buchstaben, aber 45 Laute – und ich kann nur ein Drittel der Laute wirklich absehen“, erläutert sie. Manche würden mit derselben Mundbewegung geformt. Der Unterschied könne bedeutsam sein. Hörbehinderte brauchten möglichst viele Informationen – „das ganze Gesicht“. Die Mimik, „das fällt alles weg, wenn Menschen Masken tragen“.Von Wichtigkeit sei auch der Grad oder die Art der Hörschädigung: Laute wie die Buchstaben S, F und H seien hochfrequent, also schwerer hörbar. Die Frage sei, welcher Laut bedeutungstragend sei. Auch das Licht in einem Raum spiele eine Rolle: „Es kommt auf so viel Bedeutsames an.“ Andrea Kintrup spricht im Zusammenhang mit den Masken von einer „Katastrophe“. Wie viele Menschen leiden unter Höreinschränkungen? Foto: Shutterstock // fizkes // 1364154689

Zwei Prozent haben sie von Geburt an. Die Frage ist laut Andrea Kintrup auch, wie viele Menschen sich und anderen die eigene Schwerhörigkeit eingestehen. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder Fünfte schwerhörig ist. Die Bilanz ist bitter: „Wir sehen im Moment keine Auswege“.

Gibt es die wirklich nicht? Frank Zabel vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium in Kiel verweist auf Anfrage unserer Zeitung auf Sonderregelungen in der aktuellen Eindämmungsverordnung des Landes: „Menschen mit Hörbehinderungen und Menschen mit Sprachbehinderungen dürfen eine Mund-Nasen-Bedeckung auch abnehmen, soweit dies zum Zwecke der Kommunikation mit anderen erforderlich ist.“ Andrea Kintrup fügt hinzu: „Es ist wichtig, dass die Sprechenden die Maske abnehmen“.


Veröffentlicht am: 12.02.2021
- Werbeanzeige -

Meistgeklickte Artikel

- Werbeanzeige -
Alle Rechte bei Sylter Zeitung © 2021