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Im Gespräch mit der Sylter Psychologin Anna Theuner

Was macht Pandemie mit Kindern?

Foto: hwi In Zeiten der Pandemie müssen Eltern versuchen, die Folgen fehlender Kontakte ihrer Kinder zu Gleichaltrigen wenigstens abzumildern – zum Beispiel mit gemeinsamen Spielen abends am Tisch.

Von Peter Marnitz

Insel Sylt. Dass die Corona-Pandemie bei Kindern nicht so gefährlich sein soll, scheint nur zu stimmen, wenn es um unmittelbare physische Ansteckungsfolgen geht. Es sind die Folgen der Kontaktbeschränkungen, die Kinder unmittelbar psychisch belasten. Eine Studie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), die belegt, dass fast jedes dritte Kind als Corona-Folge Auffälligkeiten zeigt, wird auch vom Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt der Diakonie (BBZ) im Grundsatz bestätigt.

Diplompsychologin Anna Theuner, die im BBZ am Westerländer Kirchenweg für Erziehungs-, Partner- und Lebensberatung zuständig ist, hat sich in letzter Zeit häufig mit den Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf die Psyche von Kindern beschäftigen müssen: „Das Leben ohne Freunde, ohne Kita und ohne Schulbesuch schlägt Kindern buchstäblich aufs Gemüt. Es entwickeln sich Ängste, depressive Verstimmungen und Sorgen. Das kann sich dann, so haben es mir Eltern berichtet, zum Beispiel in massiven Wutausbrüchen zeigen.“

Da die Kontakte zu Freunden, Schulkollegen oder Sportkameraden fehle, komme den Eltern eine besonders hohe Verantwortung zu. So müssen Mütter und Väter versuchen, die Folgen der fehlenden Kontakte zumindest abzumildern. „Das ist sicher nicht einfach, wenn man zum Beispiel durch die Corona-Einschränkungen um seinen Arbeitsplatz fürchtet oder in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Eltern müssen ihren Kindern trotzdem Sicherheit geben“, beschreibt Anna Theuner die schwieriger gewordenen Aufgaben.

Wichtig sei es, den Tagen ohne Schule, Sportverein oder Treffen mit Freunden Strukturen zu geben. Tages- oder Wochenpläne könnten den Kindern Halt geben. Dazu gehören, so die Diplompsychologin, auch Bewegungsangebote: „Es ist wichtig, sich in der freien Natur zu bewegen. Da haben Familien hier auf Sylt den Vorteil gegenüber Familien, die in einer dicht bebauten Großstadt leben. Sich am Strand auszutoben, befreit und lenkt von Sorgen ab.“

Bei der Hamburger Studie, für die mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Erwachsene befragt wurden, zeigte sich als ein Ergebnis, dass Familien, die über einen guten Zusammenhalt berichten und viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, besser mit den Belastungen umgehen können. Wer vor der Pandemie als Familie gut funktioniert hat, „kann auch die aktuellen Belastungen besser überstehen“, so Anna Theuner.

Grundsätzlich wird das auch im Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt so gesehen. „Man steht aber jetzt als Erziehender vor größeren Herausforderungen. Man muss Stärke, Zuversicht, Einstellung und Haltung ausstrahlen und darf keinen Kontrollverlust zulassen. Und doch kann man nicht alle Probleme eines Heranwachsenden lösen“, erklärt Anna Theuner: „Das soziale Erleben in Gruppen mit Spaß oder Streit kann nicht so schnell ersetzt werden. Auch die Ablösung vom Elternhaus, die für Heranwachsende wichtig ist, kann unter Corona-Bedingungen nicht so leicht funktionieren.“
Einen positiven Aspekt kann die Diplompsychologin der aktuellen Situation aber abgewinnen: „Eltern können die Erfahrung machen, dass Medien mit sozialen Plattformen durchaus für Kontakte sorgen und Einsamkeit verhindern können. Eltern sollten spätestens jetzt lernen, mit solchen Medien umzugehen, um ihre Kinder auch in diesem Bereich zu verstehen.“

Wenn Familien merken, dass sie ihre Probleme nicht allein lösen können, ist das Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt der Diakonie im Kirchenweg 37, Telefon 04651 82220-20, www.dw-suedtondern.de/bbz-sylt, eine gute Adresse.

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