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Arzneimittelversorgung nun gefährdet?

Von der freundlichen Bitte um Geduld

Foto: Bettina Dethloff Apothekerin Susanne Behrens, Inhaberin der Insel-Apotheke und der Sylt-Apotheke: „Natürlich schauen wir gespannt auf die kommende Zeit.“

Insel Sylt. Seitdem bekannt ist, dass die Nordsee-Apotheke an der Strandstraße und die Uwe-Jens-Lornsen-Apotheke in Keitum ihre Türen für immer schließen, hört man zunehmend besorgte Stimmen. Ist die Arzneimittelversorgung auf der Insel nun gefährdet? „Natürlich schauen wir gespannt auf die kommende Zeit“, erklärt Susanne Behrens, Inhaberin der Insel-Apotheke und der Sylt-Apotheke. „Spätestens die Osterferien werden uns alles abfordern. Dennoch sehe ich die grundsätzliche Medikamentenversorgung nicht gefährdet. Wir haben weiterhin sechs gut aufgestellte Apotheken auf Sylt, die alle routiniert im Umgang mit Saisonschwankungen sind und sich darauf vorbereiten, die Schließung der beiden Apotheken auszugleichen.“

Eine deutlich zunehmende Belastung werden die Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sein. Aufgrund der scheidenden Kollegen verkürzt sich der Abstand zwischen den Sonderdiensten von bislang acht auf sechs Tage. Diesbezüglich möchte Susanne Behrens ohnehin um etwas Rücksichtnahme bitten: „Es kommt vor, dass jemand mitten in der Nacht klingelt und eine Zahnbürste, Bonbons oder Creme verlangt“, weiß sie zu berichten. „Manchmal muss der diensthabende Apotheker auch noch einen Teil der vorangegangenen oder der folgenden Tagesschicht übernehmen. Da sollte der zusätzliche Nachtdienst, zumindest nach 22 Uhr, allein dringenden Fällen vorbehalten sein. Dafür steht natürlich rund um die Uhr immer eine der Sylter Apotheken bereit.“

Dass Jens Credo als einen Schließungsgrund die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens anführt, kann Susanne Behrens gut nachvollziehen. „Unsere Vorgaben werden immer komplizierter und in meinen Augen auch anfälliger, wie wir ja schon bei den Digitalen Impfausweisen gesehen haben.“ Die Anbindung der Apotheken an die Telematik-Infrastruktur würde nicht allein technische Herausforderungen mit sich bringen, sondern auch viele Unklarheiten. „Unsere Lesegeräte zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten stehen schon ziemlich lange ungenutzt neben der Kasse“, erklärt die Apothekerin nachdenklich. Und in Bezug auf die E-Rezepte, die bald via Smartphone oder mittels ausgedrucktem QR-Code eingelöst werden, käme die Frage auf: Kann ein technisch weniger versierter Patient dann eigentlich noch sehen, was ihm verordnet wurde?

„Dazu kommt noch der ganz normale Wahnsinn, den sie uns seit Jahren aufdrücken“, erklärt sie leise. „Wir müssen uns an Rahmenverträge und Rabattgesetze halten, inzwischen ist nicht mal mehr das bislang heilige „Aut Idem Kreuz“ in jedem Falle gültig, welches einen Austausch des verordneten Medikamentes ausschließt.“

In diesem Zuge betont sie: „Die Bearbeitung der Rezepte erfordern höchste Konzentration und eben auch etwas Zeit.“ So möchte sie die Patienten um etwas Geduld während der Bearbeitung von Rezepten bitten; und auch, falls die Beratung eines Patienten vor ihm etwas dauert. „Wir sind nun mal eine Apotheke und kein Discounter. Es kann nicht immer alles schnell gehen; auf unseren Schultern liegt eine große Verantwortung, und dies nicht allein beim Einlösen der Rezepte.“

Sollte ein sehr dringend benötigtes Medikament einmal nicht am Lager sein, wird diesbezüglich übrigens bei den insularen Kollegen angefragt, ob jemand weiterhelfen kann.
„Wir halten gemeinsam die Stellung“, betont Susanne Behrens abschließend. „Damit sich niemand sorgen muss, dass er die Medikamente, die er braucht, nicht bekommt.“


Geschrieben von: Bettina Dethloff / veröffentlicht am: 22.02.2022
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