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Gerd Holling lieferte 43 Jahre zuverlässig Post nach Wenningstedt

Prominente und böse Hunde

Foto: Beate Poldinger Nach 50 Jahren im Postdienst verabschiedete sich Gerd Holling am 31. August in den Ruhestand.

Westerland. „Das waren damals ganz andere Zeiten. Als Postbeamter kannte man die Familien, die Feriengäste, die Menschen, die hier lebten“, erinnert sich Gerd Holling. Ein ganz besonderes Jubiläum konnte der Postbetriebsassistent in diesem Jahr feiern: sein 50-jähriges Dienstjubiläum. „Das schaffen nur noch wenige“, lacht der 65-Jährige.
1972 hat er seine Laufbahn noch bei der Deutschen Bundespost begonnen – als 15-Jähriger. „Ich bin direkt von der Schule in die Ausbildung nach Friedrichsstadt gegangen.“ Dort lernte er in drei Jahren die Betriebsabläufe bei der Bundespost kennen.

„Danach kam das Angebot, in Pinneberg oder Westerland zu arbeiten. Gottseidank habe ich mich für die Insel entschieden“, lacht der Pensionär. So begann er seine Berufslaufbahn 1975 in Westerland, da war er noch nicht mal 18. „Das war schon eine andere Welt als auf dem Festland. Ich bin vorher nur einmal als Schüler auf Sylt gewesen, das muss so 1968 oder 1969 gewesen sein. Da waren wir auf Klassenfahrt in Rantum.“

Gewohnt hat der junge Postbeamte in der Boysenstraße, dort stand das Postwohnheim. „Die Innenstadt von Westerland sah damals völlig anders aus. Dort standen noch die Bäderstil-Häuser.“
Die Briefe und Pakete lieferte Holling damals noch mit dem Fahrrad aus. „Das waren ja nur wenige Pakete verglichen mit heute.“ Bei Wind und Wetter war er auf dem Rad unterwegs. „Ach, wir waren abgehärtet und mussten ja bei Wind und Wetter los. Das hat mir nichts ausgemacht, denn ich war immer gern an der frischen Luft.“

Ab 1979 war Wenningstedt sein „Revier“. Hier war er bei Einheimischen und Kurgästen gut bekannt. „Die kamen teilweise jedes Jahr nach Wenningstedt, man kannte sich irgendwann“. Da wurde dann auch mal das eine oder andere Schwätzchen gehalten. „Die Arbeit war längst nicht so hektisch wie heute, man hatte noch Zeit für das Miteinander.“ So gab es die eine oder andere Einladung zum Kaffeetrinken. „Ich habe Kinder groß werden sehen, die heute schon eigene Familien haben.“

Langweilig wurde es Gerd Holling auf seiner Tour nie – auch berühmte Menschen hat er im Laufe der 43 Jahre oft gesehen. Schauspieler, Politiker, Sänger – sie alle bekamen ihre Post von Holling. „Bei einem Politiker bin ich mal von den Personenschützern mit gezogener Waffe begrüßt worden, die sind aus den Büschen gekommen.“

Auch an ein Zusammentreffen mit einem bösen Hund erinnert sich der Pensionär lebhaft: „Ausgerechnet der gefährliche Hund war an diesem Tag nicht angeleint.“
Auch bei Sturmstärke hat Holling seine Kunden beliefert. „Ich war immer verantwortungsbewusst – ich war schließlich Beamter.“

Am Ende seiner Berufszeit waren es vor allem viele Pakete und Päckchen, die Holling ausliefern musste. „Es wäre unmöglich gewesen, die mit dem Fahrrad auszufahren.“ Wie gut, dass die Postbeamten mittlerweile motorisiert sind. Vieles hat sich in 40 Jahren verändert, manches ist gleich geblieben. „Man ist der Ansprechpartner für die Menschen. Und wenn es ein Problem gibt, dann versucht man, zu helfen.“

Trotz seiner schönen Jahre im Beruf ist Gerd Holling froh, nun Pensionär zu sein. „Endlich habe ich Zeit für meine Kinder und Enkel, das ist meiner Frau und mir ganz wichtig.“


Geschrieben von: Nicole Lütke / veröffentlicht am: 22.09.2022
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