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Seit drei Wochen impfen Sylter Ärzte in ihren Praxen gegen Corona

Mit Grippeimpfung nicht vergleichbar

Foto: sc Stephanie Wilshere unterstützt Dr. Alexander Cegla seit einem Jahr in der Wenning­stedter Praxis. Dort finden auch Impfungen gegen Covid-19 statt.

Von Oliver Sippel

Insel Sylt. Wenn es um den Corona-Lockdown geht, zeigt sich Sylt zunehmend gespalten: Die einen pochen darauf, die Insel endlich wieder für den Tourismus zu öffnen, um die Sylter Wirtschaft zu retten. Die anderen fürchten, dass die derzeit noch verhältnismäßig niedrige Inzidenz durch den Tourismus in die Höhe schnellen könnte. Eine nicht ganz unberechtigte Befürchtung, meint Dr. Bodo Stoschus: „Dennoch müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben, wenn wir wirtschaftlich nicht untergehen wollen.“ Bedeutet: Weiterhin Abstand halten, Hygiene beachten, Maske tragen – und regelmäßig testen lassen. Am Ende hängt alles von den Leuten ab, meint Stoschus. „Und davon, wie schnell geimpft werden kann“, ergänzt der Mediziner, der auch schon im Westerländer Impfzentrum für einen reibungslosen Ablauf bei den Impfungen der Priorität 1 sorgte.
Seit knapp drei Wochen werden nun auch Patienten der Priorität 2 in den Westerländer Arztpraxen geimpft. Der Piks selbst ist dabei die kleinste Herausforderung, weiß Stephanie Wilshere: „Natürlich ist es für die Insulaner schön, dass wir Hausärzte jetzt auch impfen“, sagt die Allgemeinmedizinerin, die seit einem Jahr Dr. med. Alexander Cegla in seiner Praxis unterstützt. An der Planbarkeit hapere es aber noch: „Die Apotheke informiert uns am Ende der Vorwoche, wie viele Impfdosen wir bekommen. Dann müssen wir kurzfristig die Impfungen planen und die Patienten kontaktieren.“

Bei kleineren Lieferungen können die Impfungen im laufenden Betrieb erfolgen. In der ersten Woche wurden aber beispielsweise 108 Impfdosen geliefert. „Das lässt sich nicht mehr nebenbei verimpfen. In solchen Wochen legen wir einen Impftag ein, an dem der reguläre Praxisbetrieb ruht.“
Die Impfung selbst sei vom Aufwand her mit einer einfachen Grippeimpfung nicht zu vergleichen: „Die Aufklärung und Dokumentation sind viel umfangreicher und die Patienten kommen mit jeder Menge offener Fragen.“ Dann die Nachbeobachtung: „Diese dauert je nach Patient 15 bis 30 Minuten. Das stellt uns auch vor Platzprobleme, denn unter Coronabedingungen können wir das Wartezimmer ja nicht voll besetzen.“

Wer geimpft wird, ist ganz klar geregelt: Zur Priorität 2 gehören hauptsächlich Patienten im Alter über 70 Jahren, medizinisches Personal und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Die Nachfrage innerhalb dieser Gruppe ist riesig: „Als bekannt wurde, dass in den Praxen geimpft wird, stand unser Telefon tagelang nicht still.“ Einer nach dem anderen werden die Kontakte auf der Warteliste nun angerufen und zur Impfung eingeladen. „Sagt ein Patient mal kurzfristig ab, geht die Impfung an eine andere Person aus der Warteliste.“ Kurzfristige Anrufe am Abend in der Hoffnung, noch einen Impfrest ergattern zu können, kann man sich also sparen.

Dass die Impfungen in den Sylter Arztpraxen nun allen Insulanern den Weg in die Impfzentren nach Niebüll oder Husum erspart, glaubt Wilshere übrigens nicht: „Ich glaube nicht, dass die Kapazitäten der Sylter Ärzte ausreichen, um alle Insulaner zu impfen – insbesondere, wenn der Tourismus auf Sylt wieder startet und die Wartezimmer dementsprechend voller sind.“ Wer also gut zu Fuß ist, rät die Medizinerin, sollte sich weiterhin um einen Impftermin in einem der Impfzentren auf dem Festland bemühen.

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