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Wie die Sylter ihre Insel sehen – erste Ergebnisse der Bürgerbefragung

Kapazitätsgrenze ist erreicht

Foto: Archiv 64 Prozent der Befragten ist es zumindest zeitweise am Strand zu voll. das ist das Ergebnis einer Umfrage, an der knapp 4.500 Sylter teilgenommen hatten.

Westerland.(ros) Wie gerne leben die Insulaner auf ihrer Insel? Wo sehen sie die Probleme? Was soll sich ändern? Das sind Fragen, denen die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) mittels einer Bürgerbefragung auf den Grund gehen will. 18.000 Insulaner ab 18 Jahren mit Erstwohnsitz auf der Insel wurden angeschrieben und zu einer Online-Bürgerbefragung aufgerufen. Die Befragung ist abgeschlossen und 4.484 haben sich daran beteiligt. Davon hat das Marktforschungsunternehmen Meinecke & Rosengarten bislang 4.137 Fragebögen ausgewertet. Die komplette Auswertung wird erst Anfang 2021 vorliegen.

Die ersten Ergebnisse der Online-Bürgerbefragung stellte SMG-Geschäftsführer Moritz Luft beim Zukunftsforum vor: Obwohl momentan viel über Verkehr und mangelnden Wohnraum diskutiert wird, sind die Bewohner im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrem Leben auf der Insel: 72 Prozent der Sylter bewerten ihren persönlichen Lebensraum positiv. Ältere sind dabei deutlich zufriedener als jüngere.

Der Mehrheit der Menschen ist klar, wie wichtig der Tourismus für die Inselwirtschaft ist (55 Prozent). Dennoch sieht eine Mehrheit der befragten Bewohner die Auswirkungen des Tourismus als eher oder überwiegend negativ für die Insel (53 Prozent). 76 Prozent empfinden zumindest zeitweise, dass die Fußgängerzone in Westerland zu voll ist, 73 Prozent sehen das auch für die Gastronomie so.

Sogar am Strand scheint nicht mehr ausreichend Platz zu sein: Denn 64 Prozent der Befragten ist es zumindest zeitweise am Strand zu voll, 60 Prozent sehen das auch für Wander- und Radwege.

Straßen, Weg und Strände zu voll

Die Lockerung im Mai nach dem Lockdown führte zu einer plötzliche Zunahme des Tourismus. 65 Prozent empfanden das Aufkommen an Tourismus als zu stark. 51 Prozent haben aber keine wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Lockdown gespürt, 36 Prozent nur vorübergehend und 12 Prozent stark.

Die klare Mehrheit der Teilnehmer geht von einem deutlichen Zuwachs der jährlichen Übernachtungen aus. 74 Prozent schätzen, dass der Tourismus in den kommenden Jahren um mindesten 18 Prozent zunehmen wird.

Auch mit den Straßen und dem Verkehr zeigen sich die Sylter unzufrieden: Das Verkehrsnetz auf der Insel bewerten 34 Prozent mit „eher negativ“. 99 Prozent empfinden die Straßen der Insel zumindest zeitweise zu voll, ebenso die Rad- und Gehwege, Parkplätze und Fußgängerzonen.
Moritz Luft: „Die Ergebnisse bestätigen, dass wir die Kapazitätsgrenze im Tourismus erreicht haben.“ Vor allem sollte das Thema Mobiltät in Angriff genommen werden, so Luft. Es sollten neue Mobilitätsangebote geschaffen werden, die Einheimischen und Gäste ermöglichen, das eigene Auto stehen zu lassen. Als Vorbild könne der Fahrdienst Moia angesehen werden, wie er in Hamburg existiert.

80 bis 90 Prozent der Befragten kritisieren zu viel Bautätigkeit, speziell für Ferien- und Zweitwohnungen, gleich viele kritisieren, dass es zu wenig Wohnraum für Einheimische gibt.
Mehr Wohnraum auf der Insel würde auch eine Verringerung der Verkehrs zu Folge haben, da weniger zur Arbeit vom Festland pendeln müssten.
Hinsichtlich des Naturschutzes besteht Uneinigkeit. Etwa gleich große Teile der Befragten sehen positive und negative Effekte des Naturschutzes auf der Insel.
Moritz Luft schließt: „Dass sich rund 4.500 Insulaner an dieser Befragung beteiligt haben, zeigt das große Interesse, und deshalb müssen wir jetzt alle gemeinsam an der Zukunft von Sylt arbeiten.“

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