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Gemeinde und Kreis warnen vor unseriösen Berechnungen

Inzidenz nicht dramatisch

Foto: Peter Marnitz Es war viel los in den vergangenen Tagen auf der Insel, wie hier in der Westerländer Friedrichstraße. Gerüchten von hohen Inzidenzwerten widersprechen allerdings sowohl der Kreis Nordfriesland als auch die Gemeinde Sylt.

Insel Sylt. Gerüchten von angeblich dramatischen Inzidenzwerten, die Sylt angeblich zu einem Corona-Hotspot machen sollen, wird von Verantwortlichen in Kreis und Gemeinde mit klaren Worten widersprochen. Sowohl Bürgermeister Nikolas Häckel als auch Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland, bezeichnen es als „unseriös“, basierend auf Daten einer kleinen Region mit rund 18.000 Einwohnern, wie Sylt es ist, Inzidenzen zu berechnen.

In sozialen Netzwerken und elektronischen Medien werden aktuell Inzidenzwerte von über 100 für die Insel veröffentlicht. In Diskussionsgruppen wird daraufhin der Vorwurf laut, dass man offizielle Zahlen für Sylt bewusst geheim halte, um so einen Lockdown zu vermeiden. Diese Argumentation sei unsachlich und widerspreche den bundesweiten Verordnungen, die es nicht ohne Grund gebe, erklärt Slopianka für den Kreis: „Die Inzidenzwerte werden auf Kreisebene erhoben. Die Berechnung für Teilregionen ist grundsätzlich wenig sinnvoll, weil sie bei geringen Bevölkerungszahlen zu verfälschten Ergebnissen und damit zu Verunsicherung und falschen Schlüssen führen können.“

Der Inzidenz-Grenzwert sei politisch festgelegt und solle dazu dienen, Intensivstationen nicht zu überlasten und Gesundheitsämtern noch die Nachverfolgung von Infektionsketten zu ermöglichen.

Das sei, so Slopianka, bei einem Wert von um die 10 im Kreis Nordfriesland (Stand Donnerstag), zu dem ja auch Sylt mit seinen Zahlen beitrage, sicher gegeben.
Für Bürgermeister Nikolas Häckel sind die Vorwürfe einer angeblichen Geheimhaltung von Infektionsdaten einfach absurd: „Die absolute Zahl der Sylter, die an Covid erkrankt sind, wird täglich aktuell vom Kreis veröffentlicht. Das kann jeder, der sich seriös informieren will, selbst nachlesen. Daraus aber kleinräumig Inzidenzwerte zu berechnen, ist unsachlich.“ Er verweist darauf, dass in so kleinem Rahmen schon eine infizierte Familie den Wert für die ganze Insel statistisch in die Höhe schnellen lasse.

Dass trotz einer bundesweit rekordverdächtig niedrigen Inzidenz in Schleswig-Holstein und Nordfriesland die Corona-Pandemie nicht verschwunden ist, dafür sprechen aktuell zwei Fälle, bei denen Betriebe zeitweise ihren Service einstellen mussten. So sorgte die Ansteckung eines Küchenmitarbeiters beim Restaurant Vogelkoje für eine Schließung bis zur nächsten Woche. Auch die Verkaufsstelle der Bäckerei Raffelhüschen im Westerländer Famila-Markt wurde vorsorglich bis Mitte nächster Woche geschlossen, da eine Mitarbeiterin positiv getestet wurde. Ansonsten, so hört man bei den Sylter Unternehmern, seien keine außergewöhnlichen Betriebsunterbrechungen bekannt geworden.

Für die Kreisverwaltung gilt weiterhin erhöhte Wachsamkeit. Trotzdem wird keine Notwendigkeit gesehen, zum Beispiel nächtliche Ausgangsbeschränkungen zu verordnen.
Die Notbremse wird angewandt, wenn Inzidenzwerte auf Kreisebene drei Tage in Folge über 100 steigen. Wenn der Bund ihre Anwendung auch in kleineren Regionen für sinnvoll gehalten hätte, hätte er dies im Infektionsschutzgesetz so vorgesehen.

„Die Notbremse soll für eine Reduzierung der Kontakte sorgen, damit sich weniger Menschen gegenseitig infizieren, um die Gefahr abzuwenden, dass das Gesundheitsamt aufgrund der Vielzahl der Fälle nicht mehr in der Lage ist, alle Kontakte zu verfolgen, und um die Gefahr einer Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden. Auf Sylt reden wir momentan von 24 Infizierten. Diese Zahl überfordert das Gesundheitsamt keineswegs, und auch eine drohende Überlastung der Intensivstationen an der Westküste ist nicht erkennbar“, gibt Hans-Martin Slopianka Entwarnung.
Für Nordfriesland gilt die Regelung, dass Corona-Infizierte mit starker Symptomatik zentral in den Kliniken in Heide und Itzehoe behandelt werden. In beiden Krankenhäusern sind, so das bundesweite Intensivregister, noch ausreichend Intensiv-Pflegeplätze vorhanden. Im bundesweiten Vergleich ist die Lage in den Intensivstationen in Schleswig-Holstein alles andere als besorgniserregend. Die Anzahl der freien Betten an der Gesamtzahl den Intensivbetten liegt bei über 26 Prozent, in Bayern liegt diese Zahl bei rund 14 Prozent. Während im Bundesschnitt jede Intensivstation über 2,7 freie Betten verfügt, liegt dieser Wert im Land zwischen Nord- und Ostsee bei 6,2.

Trotz der beruhigenden Situation sei, so Bürgermeister Nikolas Häckel, immer Wachsamkeit am Platz: „Ob Gäste oder Einheimische, alle müssen die Regeln befolgen, sich regelmäßig testen lassen, Abstand wahren und, wo es nötig ist, Maske tragen. Nur so können wir gesund durch die Pandemie kommen.“

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