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Zu Halloween zogen viele kleine Gespenster über die Insel

Gruselgruppen machen Beute

Foto: Sahra Krüger Phil Krüger und Dietmar Priewe am Halloween-Abend.

Insel Sylt.(P.M.) „Süßes, sonst gibt‘s Saures!“ Manch ein Insulaner wurde am letzten Sonntag mit diesem Ruf vom Sofa geholt. Vor der Haustür standen dann kleine „blutrünstige Monster“, die lautstark ihren Tribut einforderten. Von List bis Hörnum und von Westerland bis Morsum bevölkerten sie nach Einbruch der Dunkelheit die Wege und Straßen mit kleinen gruselig geschminkten Gruppen, die von Haus zu Haus zogen. Halloween ist inzwischen auf Sylt zu einem „Kinder-Event“ geworden.

Das aus Irland stammende Fest, das von Auswanderern in die USA getragen wurde, ist inzwischen auch in Europa heimisch geworden. In Norddeutschland haben die abendlichen Beutezüge der bunt kostümierten Jungen und Mädchen die Funktion übernommen, die im Rheinland der Karneval hat. Dort ziehen rund um den Rosenmontag buchstäblich bunte Kindergruppen Süßigkeiten sammelnd von Tür zu Tür. Ihr Lied: „Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig…“

Der siebenjährige Phil aus Westerland konnte sich am späten Sonntagabend über eine reiche Beute freuen. Das Süße, das den ernährungsbewussten Eltern nicht die pure Freude bereitet, war für den Grundschüler nur ein angenehmer Nebeneffekt. „Am meisten Spaß macht das Verkleiden“, ist sich der kleine Westerländer sicher. Natürlich war er nicht allein unterwegs, die junge Gruselgruppe wurde selbstverständlich von Kumpel Max und desen Bruder Luke sowie Müttern und Vätern begleitet, die aus dem Hintergrund ein wachsames Auge auf den „grausigen“ Nachwuchs hatten. Ein erster Besuch galt dem Sylter Spitzenkoch Dietmar Priewe und seiner Frau Anja, die schon seit Jahren ihr Haus an der Stadumstraße zu Halloween in eine „Gespensterküche“ verwandeln. Mit einer gar „grässlichen“ Kürbis-Maske empfing er die kleinen Geister und gab ihnen reichlich Süßes, um so dem Sauren zu entgehen.

In früheren Jahren konnten sich die kleinen Gespenster und Monster bei Halloween-Partys treffen, um von dort aus ihre Beutezüge anzutreten. Ob eingeladen vom Kampener Unternehmerverein oder dem Lister Erlebniszentrum Naturgewalten, diese Party-Reihe wurde durch die bösen Geister der Corona-Pandemie vorerst beendet.

So machten sich der Sylter Grusel-Nachwuchs, zu dem sich auch viele Gäste-Kinder gesellten, in Eigenregie auf dem Weg. Sie entdeckten dabei einige Häuser, die von ihren Bewohnern mit viel Liebe zum Detail mit Kürbissen, Lichtern und furchterregenden Lichteffekten zu Spukschlössern verwandelt wurden.

Bei manch älteren Syltern wird bei den von Haus zu Haus ziehenden Gruppen die Erinnerung an die alte Tradition des Rummelpottlaufens geweckt. Auf das 16. Jahrhundert geht der in Norddeutschland von Hamburg bis Nordschleswig gepflegte Brauch zurück. Beim Rummelpottlaufen ziehen Erwachsene und Kinder maskiert um die Häuser und singen Lieder oder tragen Gedichte vor. Als Belohnung gibt es Süßes für die Kinder und Hochprozentiges für die erwachsenen Teilnehmer. Besonders in Morsum im Inselosten wird versucht, diese alte Tradition am Leben zu erhalten. Vielleicht finden die kleinen Halloween-Gespenster ja auch Spaß daran, am letzten Tag des Jahres ordentlich auf den Rummelpott zu schlagen. Nützlich wäre es, schon einmal den Anfang des Rummelpott-Liedes einzuüben: „Frau, maak de Dör ob! De Rummelpott will rein. Daar kümmt een Schipp ut Holland. Dat hett kein goden Wind.”


/ veröffentlicht am: 02.11.2021
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