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Schuldenfälle auf Sylt werden wohl wegen hoher Energiekosten steigen

Ganz tief in den Miesen

Foto: Pixabay

Insel Sylt. Rechnungen werden nicht mehr geöffnet – rein in die Schublade und weg sind sie. Mahnungen flattern ins Haus, auch sie werden ignoriert. Die Schulden türmen sich auf, dabei beginnt es oft ganz harmlos: hier ein Handyvertrag, dort ein Ratenkauf. Steigende Preise für Energie und Lebensmittel treffen gerade die Menschen, die finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen, besonders hart: Alleinerziehende oder Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen. Am Ende können die Schulden nicht mehr bedient werden. Die Spirale – sie führt immer abwärts. Und allzu oft ist ein Schicksalsschlag wie Krankheit oder Jobverlust Grund für eine Verschuldung. Wie ist die Situation hier auf der Insel? Die Sylter Zeitung hat bei Peter Martensen, Schuldenberater für den Kreis Nordfriesland und zuständig für Sylt, nachgefragt. Die Zahl der Beratungsfälle ist steigend: 2017 lag die Zahl in Niebüll und Sylt bei 100 Fällen; 2021 waren es 138 Fälle.

Die Schuldensumme hat sich allerdings in den vergangenen fünf Jahren nicht verändert und liegt bei 30.000 bis 35.000 Euro.
„Zurzeit haben wir auf Sylt 41 laufende Fälle, und zwei Neuaufnahmen kommen zeitnah in die Beratung. Der Bedarf hat auch auf Sylt zugenommen“, sagt Martensen. 2017 waren insgesamt 23 Personen in der Beratung, im Jahr 2021 waren es 33 Personen. Als Gründe nennt Martensen die Mieten, aber auch die coronabedingten Auswirkungen wie Kurzarbeit oder Kündigung. „Aber auch Scheidungen, Sucht, Krankheiten oder eine gescheiterte Selbstständigkeit können Schulden zur Folge haben.“

Die Klienten kommen aus allen sozialen Lebensbereichen. Knapp die Hälfte sind Arbeitnehmer, 18 Prozent erhalten Hartz-IV. Es folgen die Rentner (13 Prozent) und die ehemals Selbstständigen (4 Prozent).

„Die Auswirkungen auf die Menschen sind teilweise gravierend. Unabhängig vom Alter haben die Klienten oftmals Schlafstörungen. Sie haben Angst, den Briefkasten zu öffnen und befürchten, aufgrund der Schulden in Haft genommen zu werden“, berichtet der Schuzldnerberater. Dass mehr Menschen wegen gestiegener Energiekosten in die Beratung kommen, ist bisher noch nicht festzustellen. „Wir gehen aber davon aus, dass der Einstieg in die Beratung im kommenden Jahr und 2024 vermehrt über die gestiegenen Energiekosten erfolgen wird.“

Die Vermutung liegt nahe: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stand einer Person, die eine Schuldnerberatung aufsuchte, ein Nettoeinkommen von 1.368 Euro pro Monat zur Verfügung.
Mit durchschnittlich 520 Euro machten die Kosten für die Wohnung einschließlich Energie- und Nebenkosten 38 Prozent des Haushaltseinkommens aus. Die Wohnkosten einer überschuldeten Personen sind damit überdurchschnittlich hoch: In der Gesamtbevölkerung belief sich der Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen nach den aktuellsten Daten auf 22 Prozent.
Was kann man nun konkret tun, um gar nicht erst in die Schuldenfalle zu geraten?

Eine gute Hilfe ist es, monatlich einen Haushaltsplan zu erstellen, in dem alle laufenden Kosten erfasst sind. Die viertel-, halb- bzw. jährlichen Kosten (Versicherungen) sollten dabei auf den monatlichen Beitrag umgerechnet und auch mit in den Haushaltsplan aufgenommen werden. Dabei sollte der wesentliche Faktor der Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden. Um den Posten der monatlichen Lebenshaltungskosten zu ermitteln, kann es ratsam sein, ein monatliches Haushaltsbuch zu führen. In diesem Haushaltsbuch sollten alle täglichen Ausgaben aufgenommen werden. Durch den Haushaltsplan hat man einen Überblick über seine monatlichen Ausgaben und kann dann selbst sehen, ob diese Ausgaben von den monatlichen Einnahmen gedeckt sind.

Daneben kann es andererseits gerade bei Geringverdienern ratsam sein, überprüfen zu lassen, ob sie einen (ergänzenden) Anspruch auf staatliche Leistungen – insbesondere Wohngeld und ALG II-Leistungen – haben.


Geschrieben von: Nicole Lütke / veröffentlicht am: 19.07.2022
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