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Pastor Ingo Pohl wechselt am 1. Oktober nach Morsum

Fenster zur Seele

Foto: Peter Marnitz Pastor Ingo Pohl wechselt ab dem 1. Oktober nach Morsum.

Morsum. (P.M.) Es ist kein Unbekannter, der am 1. Oktober sein Amt in der evangelischen Kirchengemeinde St. Martin zu Morsum antreten wird. Nach dem Beschluss der Kirchengemeinde wird Ingo Pohl Nachfolger für die Pfarrstelle von Dr. Christiane Eilrich, die das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgibt.

Der gebürtige Berliner kam schon 2016 als Pastor der Keitumer Gemeinde St. Severin auf die Insel und hat sich dort nicht nur als „Bauherr“ bei der Sanierung der Kirche einen Ruf erworben. Und dabei, das nimmt Pohl mit einem Lächeln zur Kenntnis, geht es nicht nur um seine Predigten oder seine Arbeit in der Gemeinde: „Für manche Menschen scheint es sehr wichtig zu sein, welche Schuhe ich unter dem Talar trage. Das ist tatsächlich ein Thema in der Gemeinde.“ Dabei zeigt er seine grauen Sneaker, die für einen modisch ungebildeten Beobachter wie ganz normale Schuhe aussehen.
Ernst wird sein Blick aber dann doch, denn das Schuhwerk als Kriterium für die Beurteilung eines Menschen heranzuziehen, geht dem Mann mit der „Berliner Schnauze“ dann doch etwas gegen den Strich: „Ich freue mich, wenn man mir in die Augen schaut, dann erfährt man viel mehr über mich. Die Augen sind die Fenster zur Seele.“
Ansonsten beruft er sich bei der unseligen Schuh-Thematik auf den Modedesigner Guido Maria Kretschmer, der sich von ihm in St. Severin trauen ließ und viel Zeit in Morsum verbringt. Für den stehe schließlich auch die Frage nach dem Nutzen von Kleidung im Mittelpunkt, nicht nur das Urteil anderer.

Dass nach dem Dienst in der Gemeinde St. Severin, der man ja einen gewissen „Promi-Faktor“ nicht absprechen kann, jetzt der Wechsel in das eher dörfliche Morsum erfolgt, sei für ihn eine Herausforderung auf die er sich freue so Pohl: „Morsum ist natürlich anders als Keitum, aber daraus ergibt sich keine Rangfolge. Morsum hat hat keinen Grund, die zweite Geige zu spielen.“ Der dörfliche Charakter mit echten Nachbarschaften schaffe eine positive Nähe zueinander: „Das unterscheidet St. Martin deutlich von St. Severin! In Morsum bleibt die Kirche buchstäblich im Dorf.“
Deshalb freue er sich auch sehr, bald in das Morsumer Pfarrhaus umzuziehen, um nahe bei seiner neuen Gemeinde zu sein: „Kirche ist mehr als nur Gottesdienst und Predigt.“ Gerade in heutiger Zeit, da die Kirchen massiv Mitglieder verlieren, habe er das Ziel, auch außerhalb der Kirchenmauern, die Gemeinde zusammenzuhalten: „Es mag vielleicht ungewohnt sein, aber ich werde mich bei der Gemeindearbeit ein bisschen mehr um die 17-Jährigen als um die 70-Jährigen kümmern. 70-Jährige werden bei meinen Besuchen an ihr Alter erinnert, bei 17-Jährigen habe ich die Chance, sie für ein Engagement zu gewinnen oder sie einfach in der Gemeinde bei der Stange zu halten. Wir haben schließlich im kirchlichen Bereich ein massives Nachwuchsproblem.“ Um auch mit dem kirchlichen Angebot in St. Martin mehr auf die Wünsche der Gemeinde einzugehen, plant Pohl unter anderem die montäglichen Orgelvespern ganzjährig und nicht nur zur Touristensaison stattfinden zu lassen.

Auch Vorabendgottesdienste am Wochenende stehen auf seiner Wunschliste.
Der Umzug nach Morsum ist ein neuer Wechsel im bisher schon an Wechseln reichen Leben des Pastors „mit Leib und Seele“. Der wohl entscheidendste Wechsel fand sicher 2010 statt, als der katholische Priester Pohl zur evangelischen Kirche übertrat. Die Frage, was ihm noch von seiner katholischen Vergangenheit anhafte, beantwortet er fast schon flapsig: „Ich vermisse eigentlich nur den Duft des Weihrauchs!“ Hört man Pohl dann über Hierarchien reden und seine Vorstellung von christlicher Gemeinde, kann man fast gar nicht verstehen, wieso der Mittfünfziger sich 1997 in Osnabrück ausgerechnet zum katholischen Priester weihen ließ: „Ich halte nichts von der Überlegenheit höherer Kirchenämter. Für mich gilt der Gleichheitsgrundsatz getreu nach der Freiheit des Christenmenschen, wie Luther es formuliert hat.“ Und eigentlich sei auch der Pastor in der Gemeinde ein Gleicher unter Gleichen und beruft sich dabei auf Matthäus: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“


Veröffentlicht am: 01.07.2021
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