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Naturschutz und Landwirtschaft uneins über Jakobs-Kreuzkraut

Diskussion um gelbe Gefahr

Foto: oh

Morsum. (P.M.) Mit der Blüte im Juli beginnt auch seit Jahren die Diskussion über die Gefahr für Mensch und Tier, die vom Jakobs-Kreuzkraut ausgehen soll. Landwirte, Pferdehalter und Imker halten die leuchtend gelben Blüten, die jetzt zum Beispiel wieder in Bahnnähe in Morsum auffällige Farbtupfer setzen, für äußerst gefährlich, der Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein sieht in der Debatte eine „Panikmache auf breiter Front“. Als sicher gilt, dass das Jakobs-Kreuzkraut für Weidetiere giftig ist, da es Pyrrolizidin-alkaloide (PA) enthält. In größeren Mengen gefressen, kann es auch zum Tod führen. Als tödliche Dosis für Pferde werden dabei 40 bis 80 Gramm Frischpflanze pro Kilogramm Körpergewicht genannt, bei Rindern 140 Gramm. Schafe und Ziegen gelten als weniger empfindlich. Doch Weidetiere verschmähen das Kreuzkraut weitgehend. Wer selbst einmal ein Blatt der Pflanze durchgekaut habe, so der NABU, verstehe den Grund: Die enthaltenen Bitterstoffe schmecken abscheulich. Als gefährlich gilt das Kraut, wenn es in konzentrierter getrockneter Form im Heu vorhanden ist und in großen Mengen verfüttert wird. Unbeliebt ist das gelbe Kraut auch bei Imkern, die fürchten, dass ihr Honig mit PA belastet wird. Nach Erkenntnissen des NABU gehen von dem Nektar jedoch keine nennenswerten Gefahren aus: „Bei einer aktuellen Analyse von 126 Honigproben aus verschiedenen Gebieten Schleswig-Holsteins lagen nur sieben Proben, das heißt sechs Prozent, über dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen PA-Grenzwert von 140 Mikrogramm pro Kilogramm. Einen behördlich festgesetzten und damit rechtsverbindlichen Grenzwert für PA gibt es jedoch bislang weder auf nationaler noch internationaler Ebene.“ Das heimische Jakobs-Kreuzkraut gilt in den Augen von Biologen als ein natürlicher Teil der Kulturlandschaft. Vielen Insektenarten, welche sich teilweise stark auf die im Juli blühende Art spezialisiert haben, dient es als Futterpflanze, da das Nahrungsangebot in dieser Zeit eher knapp ist. Auch für die Bienen selbst ist die Pflanze ungiftig. Offensichtlich sind Kaninchen und verschiedene Nagetiere wie Meerschweinchen resistent gegen oral aufgenommenes Jakobs-Kreuzkraut-Gift. Während zum Beispiel die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur Bekämpfung des Krautes den Einsatz von Pflanzengiften empfiehlt, setzen Naturschützer auf die Kraft der Natur. Ein wichtiger Fressfeind des Jakobs-Kreuzkrautes ist ein Schmetterling, der als „Blutbär“ bekannt ist. Beobachtungen in einem niedersächsischen Naturschutzgebiet haben gezeigt, dass dichte Bestände von Jakobs-Kreuzkraut innerhalb von zwei Jahren der schwarz-gelborange geringelten Raupe und dem kontrastreicher schwarz-rot gefärbten Blutbären zum Opfer fielen.

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