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Mit Peter Erichsen im „Heim der Trolle“

Diesem Garten wohnt ein Zauber inne

Foto: Bettina Dethloff Der Eingang zum Zaubergarten von Peter Erichsen.

>Von Bettina Dethloff

Westerland. „Troldebo“, so hat Peter Erichsen sein Zuhause getauft. Frei übersetzt bedeutet das „Heim der Trolle“. Und ja, das passt! Sobald man den runden bewachsenen Eingang neben dem Haus passiert, glaubt man sich in einem Zaubergarten. Wo man auch hinschaut, stehen große und kleine bepflanzte Töpfe rund um die zahlreichen Beete, dazwischen Sträucher und Obstbäume, sogar zwei Feigenbäume. „Guck mal da, ein paar der Stammgäste sind schon da“, ruft der Hausherr freudig und weist auf einige aneinandergereihte Vogelhäuschen. Zwei Rotkehlchen landen in ihrem Stammhotel, wo die Mahlzeiten vom Chef persönlich zubereitet werden: „Aus Fett, Haferflocken, Kernen, Mehlwürmern und was die sonst so mögen.“ Neben dem Vogelhotel gibt es weitere 25 Häuschen in diesem verwunschenen Garten.

Ein Star landet und schnappt sich ein Stück Apfel vom Boden, eine Horde Spatzen auf der Hecke beteiligt sich angeregt an unserem Gespräch. Hauskater Mulli (mit echtem Namen Werner) lassen die zahlreichen Gäste völlig unberührt, er ist den regen Betrieb gewohnt. Dazu gehören unter anderem Amseln, Stare, Bienen, Igel – ab und an sogar Wildenten. Peter Erichsen freut sich über jeden seiner tierischen Besucher, das ist nicht übersehen.
Als der gelernte Elektriker als junger Mann das Haus kaufte, standen hier nur ein paar Blumen, und die Hütte hinten in der Ecke war schon da. „Meine damalige Frau war Kindergärtnerin und hatte dort eine Spielstube eingerichtet. Die Kinder hatten einen Sandkiste, einen Garten zum toben und sogar immer einen Hund zum spielen.“ Nach dem „Brösel“, Peter Erichsens letztem Hund, kam seit ein paar Jahren aber keiner mehr: „Mein Knie macht nicht mehr mit, ein Jammer.“

Das schmerzende Knie ist jedoch gleich wieder vergessen. Er eilt voran zu „Bill Clark“, beugt sich hinunter und erklärt die Besonderheit der Blüten. Genau wie „Two Eyes“ und „Madeleine“ gehört „Clark“ zur Gruppe der Schneeglöckchen, die seinen Garten maßgeblich prägt.

Eine seiner beiden Töchter hat Gartenbau studiert, durch sie hat er die Faszination der Schneeglöckchen entdeckt, deren botanischer Name „Galanthus“ lautet; daher nennt man deren begeisterte Sammler auch Galanthophile. Längst gibt es dazu Veranstaltungen wie zum Beispiel die „Schneeglöckchen-Tage“, wo sich „die Szene“ trifft, Wissen austauscht, Pflanzen ausstellt oder Blumenzwiebeln kauft, um seine Sammlung zu erweitern. Schneeglöckchen sind Pflanzen für Menschen mit Blick auf das kleinste Detail. „Es gibt 20 Familien und rund 2.000 unterschiedliche Sorten“, erklärt der naturverbundene Westerländer.
„Als Gemeinsamkeit haben sie die dreiblättrigen, hängenden Blüten in zumeist weißer Grundfarbe.“ Behutsam hebt er nacheinander diverse Blütenglöckchen an, um deren Besonderheiten zu demonstrieren. Die Blüten zeigen vor allem innen ganz unterschiedliche Zeichnungen – Streifen, Herzen, gelbe Blütenköpfe oder zwei grüne Punkte wie bei „Two Eyes“. Mittlerweile hat er rund 250 verschiedene Sorten gesammelt und mithilfe von beschrifteten Fähnchen gekennzeichnet.

Peter Erichsen hat so einiges an Fachliteratur parat und führt Listen, welche Glöckchenarten bei ihm zu Hause sind: „Ich will ja schließlich wissen, was ich gepflanzt habe.“ Während die Rosen in den Töpfen noch eine Weile brauchen, bis sie ihre volle Pracht zeigen, ist die Schneeglöckchen-Saison bald vorüber. Dafür haben die Überlebenskünstler schon lange vor den anderen Blumen der Kälte getrotzt und ihren Köpfe aus dem Boden gestreckt, die Frühblüher schon im November, die meisten anderen als Vorfrühlingsboten im Januar oder Februar, sie dienen in dieser Zeit als wichtige Nahrungsquelle für die Bienen.
Peter Erichsen lässt seinen Blick durch den Garten schweifen, wo gefühlt jeder Zentimeter der Tier- und Pflanzenwelt zugute kommt. Er weist auf das Schuppendach: „Guck mal, der Topf da oben, darin steckt ein Birnenbaum. Aber vielleicht finde ich hier unten auch noch irgendwo einen Platz.“


Veröffentlicht am: 07.04.2021
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