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Claus Ruhe Madsen mit Syltern in der Diskussion

Die Weichen anders stellen

Foto: Nicole Lütke Dirk Erdmann, Bürgermeister von Kampen, Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, Moderatorin Susanne Matthiessen, Birte Wieda von Merret reicht‘s und Uwe Mantik.

Keitum. Die Insel liegt den Bewohnern am Herzen. Sie sorgen sich um Sylt, ihre Heimat – wie wird sie in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen? Wie viele Menschen werden noch hier wohnen können? Oder entwickelt sich Sylt zum „Centerpark“ – ein Urlaubsparadies mit schönen Kulissen, aber kein Ort zum leben?
Die Initiative „Merret reicht‘s“ hatte zur Diskussion in den Friesensaal geladen und es war eine illustre Runde, die dort auf dem Podium diskutierte. Allen voran Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. Er ist „mit offenem Herzen nach Sylt gekommen“, um die Menschen und die Insel kennenzulernen und „hinzuhören, aufzunehmen und zu verstehen.“ Moderatorin und Autorin Susanne Matthiessen führte gekonnt und mit Humor durch die Gesprächsrunde. Diese wurde durch Dirk Erdmann, Bürgermeiser von Kampen und Vorsitzender des Dehoga, komplettiert.

An der Gesprächsrunde nahmen auch Uwe Mantik, Experte für Stadtentwicklung, und Birte Wieda von „Merret reicht‘s“ teil. Das Thema: „Wohin steuert die Insel?“, zog zahlreiche Zuhörer an, die sich vor allem um eines Sorgen machen: bezahlbaren Wohnraum. Die Vorlage lieferte Uwe Mantik, der mit der Beratungsgesellschaft CIMA im Auftrag der Gemeinde Sylt das Beherbergungskonzept ausgearbeitet hatte. Das Verhältnis zwischen Dauerwohnraum und Ferienwohnungen ist lange gekippt, so Mantik. Das Verhältnis liegt bei 1:3 – auf eine Dauerwohnung kommen drei Ferienwohnungen. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, dann gebe es zwar die Insel noch, aber die Menschen, die hier lebten, „sind nicht mehr da.“
Dirk Erdmann sah die Verantwortung bei der Politik. Man sollte die „politischen Ränkespiele“ weglassen und die Probleme lösen. Auch Birte Wieda kritisierte die Politik, die nichts voranbringe. Deswegen hat sie die Initiative „Merret reicht‘s“, mitgegründet.

„Möglichkeiten und Instrumente, den eingeschlagenen Kurs umzusteuern, gibt es genug“, erklärte Mantik. Allerdings ist das zum einen eine Frage des politischen Willens, zum anderen fehlt es an finanziellen und personellen Ressourcen. „Wenn man etwas bewegen will, dann ist das auch umsetzbar.“ Er brachte ein Zweckentfremdungsverbot ins Spiel. Prinzipiell ist Wohnraum zum dauerhaften Wohnen bestimmt. Zweckentfremdung ist demnach alles, was dieses dauerhafte Wohnen verhindert. Dazu zählen beispielsweise auch die kurzzeitige Vermietung an Touristen. Wer also eine Ferienwohnung anbieten möchte, muss in den betroffenen Regionen eine Genehmigung von den lokalen Behörden einholen.
Birte Wieda dauert dieser Gesetzgebungsprozess zu lang: „Kommt das Gesetz erst 2024, ist es zu spät, dass das Gesetz erst fünf Jahre später seine Wirkung entfaltet.“

Nach Meinung des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Madsen fehlt es an einer einheitlichen Strategie: „Gibt es auf der Insel eine klare Vorstellung davon, was man will? Eine gemeinsame Strategie, ein Ziel?“
Dirk Erdmann stellte fest, dass es kein Gremium gibt, das diese Strategie entwickelt. Er brachte das Amtsmodell ins Gespräch, das dafür die Struktur bieten könnte. Dadurch gebe es einen Amtsdirektor für alle Gemeinden. So werden die Ortsteile gestärkt und es gibt Chancen für neue Allianzen.

Einig waren sich am Ende des Abends alle: Ein „Weiter-so“ gibt es nicht mehr. Doch wie man die Weichen anders stellen soll, das blieb offen.


Geschrieben von: Nicole Lütke / veröffentlicht am: 01.09.2022
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