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Bekannte Sylter blicken auf ihr Jahr 2020 zurück – und äußern Wünsche für 2021

Die Stille konnten wir genießen

Foto: Archiv

Von Oliver Sippel

Insel Sylt. Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Und gut die Hälfte der Deutschen blickt eher negativ auf dieses Jahr zurück: Für 51 Prozent war 2020 persönlich kein gutes Jahr. Immerhin 46 Prozent ziehen hingegen eine positive persönliche Bilanz. Das ergab der ARD-Deutschland-Trend, der Mitte des Monats veröffentlicht wurde. Wir haben vor diesem Hintergrund bei Syltern nachgefragt, die in der Öffentlichkeit stehen: Wie blicken Sie ganz persönlich auf das zu Ende gehende Jahr 2020 zurück und was erwarten Sie sich vom neuen Jahr 2021?
Hans Wilhelm Hansen, Vorsitzender des TSV Westerland

Auch wenn der Sportbetrieb zeitweise zum Erliegen gekommen ist, ruhte das Vereinsgeschehen nicht. Vereins- und Übungsleiter planten neue Trainingseinheiten und Alternativangebote, der Vorstand organisierte den Verein durch die Krise. In der Zeit hat sich gezeigt, wie wichtig der Sport mit seinen positiven Eigenschaften für die Menschen und unsere Gesellschaft ist, gerade im Breitensport mit seinen zwischenmenschlichen Kontakten. Was zwischen den Lockdowns möglich war, wurde mit großem ehren- und hauptamtlichem Engagement durchgeführt. Mein Dank geht an alle, die sich eingebracht und mitgewirkt haben. Für das Jahr 2021 und die weitere Zukunft wünsche ich mir für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche wieder Normalität und hoffe, dass wir dem Virus baldmöglichst Adieu sagen können.

Ron Glauth, Geschäftsführer Sylter Unternehmer
Wir konnten 2020 unter Beweis stellen, dass der Verein Sylter Unternehmer seine Existenzberechtigung hat. Gemeinsam mit der SMG sind wir immer aktuell am Ball und geben Hilfestellung, wofür uns viel Lob erreichte. Ebenso kann man die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Tourismusorganisationen gar nicht hoch genug bewerten. Und auch mit den übrigen Inseln Föhr, Amrum und Helgoland gibt es nun einen permanenten Austausch. Ziel bleibt natürlich, in Kiel und Berlin mit gebündelter Kraft Gehör zu finden. Was 2021 für den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Sylt bringen mag, ist offen. Sorge habe ich um den stationären Einzelhandel, der in diesem Jahr besonders gelitten hat. Auch wenn dies allein nicht reichen mag, beim Händler vor Ort zu kaufen, ist schon mal ein guter Anfang.

Maike Lappoehn, Naturschutzgemeinschaft Sylt (NSG)
Nach dem ersten Schrecken, keine Veranstaltungen und Führungen mehr anbieten zu dürfen, konzentrierten wir uns im Frühjahr auf die Arbeit in den Naturschutzgebieten. Die Stille konnten wir genießen. Wegen Covid mussten wir unsere Gruppen bei den Führungen kleiner machen. Es entstand dadurch ein viel intensiverer Austausch mit den Gästen. Genervt hat die übervolle Insel. Ich sehe dieses Jahr als Chance für den Naturschutz, es muss ein Umdenken stattfinden. Was ich positiv empfinde ist, dass wir Sylter wieder ein Gefühl für unsere Insel bekommen haben. Ich wünsche mir für 2021, dass wir keine finanziellen Engpässe bekommen und unsere Ideen umsetzen können. Wir werden unser Zentrum mehr in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Und ich wünsche mir einen Inselverträglichen Tourismus.

Peter Douven, Geschäftsführer des Flughafens Sylt
Das Jahr begann vielversprechend: Die Linienverbindungen sollten ausgebaut werden, die Buchungen sahen gut aus. Doch es kam anders. Im März wurden durch den Lockdown die touristischen Betriebe heruntergefahren. Nur der Flughafen hatte diese Möglichkeit nicht. Eine Aussetzung von Wartungen und täglichen Sicherheitsprozessen hätte die Zulassung zum Linienflug ausgehebelt. Als im Mai wieder Reisen nach Sylt möglich wurden, wurden auch die Fluglinien reaktiviert. Die Herausforderungen waren anspruchsvoll: Auf engstem Raum musste die Voraussetzung für ein vertretbares Reisen im Hinblick auf den Hygieneschutz realisiert werden. Ohne zweiten Lockdown hätte der Flughafen trotz dieser Einschränkungen rund 100.000 Passagiere gezählt. Nun werden es wohl knapp 90.000. Die Erholung der Luftfahrt wird sicher bis 2023 andauern, auch wenn für 2021 endlich Licht am Horizont zu erkennen ist.

Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt
Ich bin glücklich, dass wir die Corona-Wellen gemeinsam gut überstanden haben. Wir haben uns breit und insular abgestimmt und mit wenigen Ausnahmen gut zusammengestanden. Auch wenn Corona uns geprägt hat, ist vieles gut gelungen: Weitere Betreuungsplätze in Krippe und Kindergarten, der Bau eines Kunstrasenplatzes, die Neugestaltung des Morsumer Kurparks, neue Spielplätze, Beschlüsse zum Multipark, die in vielen kreativen Workshops mit der Bevölkerung vorbereitet wurden, die finanzielle Unterstützung der stationären Pflege und so vieles mehr. Für das kommende Jahr wünsche ich mir, dass der Einfluss des Coronavirus auf unser Leben abnimmt. Und ich wünsche mir einen fairen Wettbewerb zur Bürgermeisterwahl am Sonntag, 7. März 2021, – und natürlich würde ich mich freuen, mich weiter als Bürgermeister für die Sylter und unsere Heimat einsetzen zu dürfen.

Raphael Ipsen, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sylt (Dehoga)
Trotz der Herausforderungen ist im Jahr 2020 etwas Positives geschehen: Die Wirtschaftsverbände und Touristiker der vier Nordseeinseln Amrum, Föhr, Helgoland und Sylt haben zueinander gefunden. Zu bedauern ist das Misstrauen, das unseren Zweitwohnungsbesitzern und Gästen im Lockdown von wenigen, laut auftretenden Mitbürgern entgegengebracht wurde. Der Tourismus ist unsere Leitökonomie. Über dessen Ausrichtung muss debattiert werden, dennoch muss der Respekt an oberster Stelle stehen. Mein emotionalstes Highlight war die Aktion „Licht-Zeichen-Setzen“ am 1. Mai. Die Solidarität über Insel- und Landesgrenzen hinweg war tiefgreifend und äußerst beeindruckend. Für 2021 bleibt zu hoffen, dass nun endlich die Strategie der Verbote vorbei ist und der Weg zu einem sicheren Umgang miteinander gefunden wird.

Katrin Fifeik, Bürgermeisterin der Gemeinde Wenningstedt-Braderup
Meine positiven Highlights 2020 waren, als wir im Mai nach einem strengen Lockdown, den sich vorher niemand hätte vorstellen können, wieder ein Stück weit in die Normalität zurückkamen.
Ein weiteres positives Highlight war für mich die Abwahl des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten. Mein negatives Highlight war die Reaktion auf diesen Lockdown von Menschen auf Sylt, von denen ich in den letzten 30 Jahren nichts gehört oder gelesen habe und die sich jetzt als „Retter“ von Sylt fühlen und für „die Sylter“ sprechen. Für mich gehören die Luft, das Meer, die Natur, unsere Einwohner und unsere Gäste untrennbar zusammen. Meine persönlichen Wünsche für die Zukunft sind Rückkehr zur Normalität und die Erkenntnis, dass nicht alles selbstverständlich ist.

Peter Schnittgard, Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt
Wir alle sind uns trotz anderthalb Meter Abstand menschlich nähergekommen. Das zu erfahren tut uns gut. Mir liegt es am Herzen, allen Syltern und Gästen alles Gute zu wünschen. Die Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter konnten mit Verwaltung, Ortsbeiräten und bürgerlichen Mitgliedern anstehende Beratungspunkte realisieren. Auch solche, die als wirtschaftliche Hilfe anzusehen sind, um durch die Krise zu kommen. Auch die Bewegung „Sylter in einem Boot“ schafft Luft für gemeinsames Denken und Handeln. Erste „Pflänzchen“ dazu sprießen jetzt. Auch wenn sie nicht Amtsmodell heißen, gibt es genug Varianten, die diskutiert werden können. Allen, die sich der Arbeit im Ehrenamt stellen, sprechen wir unseren Dank und unsere Anerkennung aus. Und hoffentlich können wir bald wieder unser Bedürfnis nach Begegnung nicht nur virtuell, sondern ganz persönlich realisieren.

Elke Wenning, Veranstaltungsleiterin im Kursaal3 in Wenningstedt
Mein Highlight des Jahres wäre unser fünfjähriges Jubiläum gewesen, hätte es nicht coronabedingt abgesagt werden müssen. Die Zeit des Lockdowns haben wir genutzt, unseren Kursaal zu renovieren. Mein Highlight stattdessen: Ab Juli hatten wir für vier Monate wieder Veranstaltungen mit bis zu 70 Gästen, die dankbar angenommen wurden. Ablenkung ist wichtig und Kunst, Kultur und Musik geben Lebensfreude. Die häufigen Absagen riefen mir jedes Mal die vielen Menschen vor Augen, denen der Erwerb fehlt: Es sind ja nicht nur die Künstler, sondern auch Licht- und Tontechniker, Bühnenbildner und viele andere Menschen, die unter den Absagen leiden. Darum wünsche ich mir für 2021, dass es endlich wieder normal weitergeht. Meine wohl wichtigste Erkenntnis: Der Zauber der Bühne, des Theaters wird immer in der „wirklichen“ Begegnung liegen, dem lebendigen Dialog zwischen Spielerinnen und Spielern und ihrem Publikum – jeden Abend neu, jeden Abend einzigartig.

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