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Ungewöhnliche Wege nach Schulkonferenzen in Westerland

Das Zeugnis kommt per Fahrrad

Foto: Peter Marnitz Gähnende Leere diese Woche am Gymnasium Sylt in Westerland. Lehrer, Schüler und Eltern sehnen sich nach einer Rückkehr zur Normalität.

Insel Sylt.(P.M.) Wenn man in diesen Tagen Radlerinnen von Haus zu Haus eilen sieht, die Umschläge in Briefkästen werfen, dann ist da kein neues Serviceteam eines Postdienstleisters unterwegs. Vielmehr sind es Lehrerinnen der St.-Nicolai-Grundschule, die Halbjahreszeugnisse an die Familien der Grundschülerinnen und Grundschüler verteilen. Das ist nur eine Möglichkeit, mit der Sylter Schulen das Problem lösen, im Zeichen des Corona-Lockdowns Zeugnisse auszugeben.

Die verschiedenen Wege, die das Kieler Schulministerium in seiner Mitteilung vom 19. Januar aufgezeigt hat, werden auf der Insel auch ganz individuell genutzt. Horst-Peter Feldt, Leiter der Grundschule St. Nicolai, geht dabei ebenso auf die individuellen Bedürfnisse der Eltern- und Schülerschaft ein wie Gonde Detlefsen, Leiterin des Schulzentrums Sylt. Die von der Mehrzahl der Betroffenen gewählte Lösung ist die Abholung der Zeugnisse in den jeweiligen Schulgebäuden. An beiden Schulen wurden in Absprache mit den Eltern Verteilungspläne entwickelt, mit dem die Zeugnisse zu festgelegten Zeiten an festgelegten Orten abgeholt werden können.

Für Horst-Peter Feldt, der unter rund 225 Zeugnisse seine Unterschrift setzen musste, genießt der Gesundheitsschutz in diesen Tagen natürlich höchste Priorität: „An unserer Ausgabestelle an der Turnhalle ist sichergestellt, dass sich möglichst wenig Menschen begegnen.“ Das gilt auch für das Schulzentrum, wo rund 720 Zeugnisse verteilt werden müssen. „Wir haben das Glück, an zwei Standorten die Übergabe organisieren zu können.

Wir haben schon am vergangenen Montag angefangen und können bis zum Freitag alles mit größter Sicherheit und Abstandswahrung schaffen“, erklärte Gonde Detlefsen. Da am Schulzentrum die drei Abschlussjahrgänge noch Präsenzunterricht genießen können, erfolgte für diese Schülerinnen und Schüler die Zeugnisausgabe ganz klassisch am gestrigen Freitag.
Auch die Möglichkeiten, Noten im Telefongespräch zu übermitteln oder Zeugnis-Scans per E-Mail zuzustellen, werden von den Inselschulen genutzt, aber nur in geringem Maße, wie Detlefsen und Feldt berichten.

Ganz neue Wege ging man bei den Zeugniskonferenzen, bei denen die verschiedenen Fachlehrerinnen und -lehrer ein Leistungsgesamtbild der jeweiligen Schülerinnen und Schüler entwickeln. Was in früheren Jahren in langen Stunden mit gelegentlich erhöhtem Kaffee- und Tee-Genuss abgehandelt wurde, fand in diesem Schulhalbjahr überwiegend digital statt. „Wir konnten davon profitieren, dass unser Schulzentrum schon seit 2016 auf Digitalisierung setzt. Die Kolleginnen und Kollegen verfügen alle über entsprechende Endgeräte, sie sind gut geschult und unsere Software funktioniert problemlos“, erklärte Gonde Detlefsen, warum der Wechsel von analog auf digital im Schulzentrum auch bei den Konferenzen problemlos klappte.

Auch in der Grundschule St. Nicolai konnte man sich per Videokonferenz ein individuelles Leistungsbild von jedem Jungen und Mädchen machen. „Das war kein Problem, alle Kolleginnen waren auch in diesem Bereich fit“, bestätigte Horst-Peter Feldt: „Übrigens war das mit der Fahrrad-Zeugnis-Zustellung ein ganz individuelles Angebot einiger Fitness-Fans im Kollegium. Das habe ich nicht angewiesen. Aber wir legen hier großen Wert auf Individualität und so lösen wir auch Probleme ganz individuell.“

An beiden Schulen sehnt man sich zur Normalität zurück und hofft bald wieder auf Schülerlärm auf dem Schulhof. Aber beide Pädagogen wissen, dass das derzeit noch Zukunftsmusik ist.

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