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70 Schüler beteiligten sich an „geheimer Übung“ im Schulzentrum

Das Sagen hatte der Nachwuchs

Foto: Bettina Dethloff

Von Bettina Dethloff

Westerland. Am Freitagvormittag wurden fast siebzig Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Sylt aus ihren Klassen geholt, Jungs und Mädchen aller Jahrgangsstufen des Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule. „Wir haben nur gesagt, es sei nichts Schlimmes passiert“, berichtet Gonde Detlefsen, Leiterin des Schulzentrums.

Schmunzelnd fügt die Oberstudiendirektorin hinzu: „Trotzdem schauten einige, als würden sie denken: Was hab´ ich nur verbrochen?“ Der Hintergrund: Diese Schüler sind Mitglied einer der fünf insularen Jugendfeuerwehren. Hinter der großen Sporthalle wurden sie von einem aktiven Feuerwehrmann ,übernommen‘ und mutierten in diesem Moment vom Schüler zum Feuerwehrkameraden im Einsatz. „Es war sichtlich eine Verwandlung, sehr beeindruckend“, erklärt Gonde Detlefsen. Kurz darauf meldeten die Brandmeldeanlagen beider Gebäude bei der Leitstelle in Harrislee Feueralarm, denn Nebelmaschinen hatten für kräftigen Qualm in beiden Schulgebäuden gesorgt. Die jungen Feuerwehrleute wurden von der Sporthalle schnell zur Westerländer Wache gebracht und kehrten umgehend in Einsatzkleidung und mit Blaulicht und Martinshorn zum Ort des Geschehens zurück. Nach Auslösung der Brandmeldeanlage hatten die übrigen Schüler des Schulzentrums mit ihren Lehrkräften die Gebäude verlassen und sich zu den vorgeschriebenen Sammelplätzen begeben. „Wir sollten ohne jede Verzögerung raus“, erläutert Jonna aus der sechsten Klasse. „Es wirkte realistisch, vor allem für diejenigen, die den dichten Qualm gesehen hatten.“ Realistisch mag es zu dem Zeitpunkt auch gewirkt haben, weil die Lehrer genauso wenig informiert waren wie die Kameraden der Sylter Jugendwehren aus List, Wenningstedt, Westerland, Tinnum und Hörnum. Gonde Detlefsen sowie Einsatzleiter und Organisator Andreas Mayer hatten den Kreis der Informierten so klein gehalten, wie es die Durchführung erlaubte, darunter natürlich die Jugendwarte und ein paar der aktiven Kameraden, unter anderem zum Lenken der Einsatzfahrzeuge. Die Erwachsenen waren aber eindeutig als Hilfskräfte beteiligt, „das Sagen“ hatte der Nachwuchs. Die Mitglieder der Jugendwehren arbeiteten in Gruppen aufgeteilt rund um die Schulgebäude, sie agierten sehr strukturiert und zeigten, gelernt ist gelernt: Zügig wurden lange Schläuche ausgerollt, Verteiler gesetzt (beides hört sich viel leichter an als es ist) und vor allem im Team und auf Kommandos gearbeitet. „Ich bin wirklich sehr zufrieden!“, lobt die Schulleiterin und fügt hinzu: „Wahnsinn, was für eine Logistik dahintersteckt! Ein großer Dank an alle Beteiligten.“ Erfreut und äußerst interessiert an dieser Aktion zeigten sich der Kreisjugendfeuerwehrwart Björn Hufsky und Stellvertreter Hartmut Sethe. Sie bekundeten, ihre Eindrücke an die Jugendwehren auf dem Festland als Anregung weiterzugeben. Vor Ort waren auch Vertreter des Ordnungsamtes und der Polizei sowie der Wehrführer Westerlands und stellvertretende Gemeindewehrführer Christian Fröhlich – mit Block und Stift bewaffnet als Übungsbeobachter. Dass vor allem die Jugendwarte genau schauten, ob ihre „Schützlinge“ einen guten Job machten, versteht sich von selbst. Das erste Fazit, sowohl im Feuerwehr- als auch im schulischen Sektor, lautete: „Es lief sehr gut! Nur an ein paar Stellschrauben müssen wir noch drehen.“ Doch genau dafür sind Übungen ja da, um Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. „Wenn Schüler üben, die eigenen Mitschüler zu retten, ist das Prävention pur“, betont Gonde Detlefsen abschließend. Treffender als hier kann man es kaum anbringen: So funktioniert die „Schule des Lebens“.


Geschrieben von: Bettina Dethloff / veröffentlicht am: 01.11.2022
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