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Mitten in der Hochsaison soll die L24 teils voll gesperrt werden

Das komplette Planungsdesaster

Foto: Dagmar Sund

Insel Sylt. Das Thema bewegt aktuell auf der Insel die Gemüter: Vom 7. Juni bis voraussichtlich Anfang August soll die wichtigste Straße auf der Insel, die Landesstraße 24 (L24), im Abschnitt zwischen Westerland und Wenningstedt saniert werden. In diesen knapp zwei Monaten ist nach Angaben des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV SH) sogar eine knapp dreiwöchige Vollsperrung geplant: vom 14. Juli bis zum 2. August. Großräumige Umleitungen sind damit verbunden – und das mitten in der ersten Hochsaison nach Corona.

Wer trägt für dieses komplette Planungsdesaster die Verantwortung? Der Landesbetrieb für Straßenbau war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die „Sylter Rundschau“ zitiert allerdings aus einem Kontakt mit dem LBV. Demnach findet die Sanierung „auf Wunsch der Gemeinde Sylt (…) aufgrund des Schülerverkehrs in den Sommerferien statt“.

Bürgermeister Nikolas Häckel als Verwaltungschef der Gemeinde Sylt weist diese Information des Landesbetriebs zurück: „Unsere Rückfrage beim LBV.SH hat ergeben, dass das nicht korrekt ist. Demnach habe der LBV.SH direkt mit der Schule gesprochen. So ein Vorgehen ist auf dem Festland wohl üblich“, so Häckel auf Anfrage unserer Zeitung. Und: Häckel legt Wert auf die Äußerung, „dass weder die Gemeinde Sylt, noch die Inselverwaltung noch der Bürgermeister der Gemeinde Sylt diesen Wunschtermin geäußert haben.“
Der Unmut auf der Insel ist derweil groß: „Sehr überrascht“ zeigten sich die Wirtschaftsverbände Sylter Unternehmer (SU) und Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) von der Ankündigung einer Sperrung der L24 im Inselzentrum. „Wir bemühen uns derzeit sehr um eine Verschiebung der Sperrung“, heißt es, zunächst diplomatisch, in einer Mitteilung der Verbände. Und danach sehr deutlich: „Die gewählte Terminierung erachten wir als katastrophal und hoffen sehr, dass sie noch abgewendet werden kann.“

Die Sanierungsplanung für die L24 und den begleitenden Radweg im Überblick:
Die vorbereitenden Baumaßnahmen wie die Erneuerung von Entwässerungseinrichtungen und der Umbau von Bushaltestellen sind von 7. bis 21. Juni unter halbseitiger Sperrung der L24 eingeplant. Der Verkehr wird währenddessen über eine mobile Ampel geregelt und abwechselnd an der Baustelle vorbeigeführt, teilt der LBV mit.

Während der Fräs- und Asphaltierungsarbeiten zwischen 14. Juli und 2. August muss die L 24 dann aus Gründen der Verkehrssicherheit voll gesperrt werden. „Um die Einschränkungen gering zu halten, wird die Sanierung in mehreren Bauabschnitten und teilweise in Nacht- und Wochenendarbeit durchgeführt“, heißt es in der Mitteilung des LBV weiter. Anlieger können weitestgehend ihre Grundstücke erreichen. Die Arbeiten sind allerdings wetterabhängig; terminliche Verschiebungen sind daher möglich.

Die Bauabschnitte:
• Los geht‘s am 14. Juli mit Fräsarbeiten am Kreisverkehr in Wenningstedt (von 20 bis 23 Uhr) sowie auf der Kreuzung Bahnweg/Keitumer Landstraße in Westerland (von 23 bis 5.30 Uhr). Nach Abschluss der Fräsarbeiten sind der Kreisverkehr und die Kreuzung wieder für den Verkehr passierbar. Danach geht es unter erneuter Vollsperrung weiter mit dem Asphaltieren am Kreisverkehr vom 18. bis zum 19. Juli sowie im Kreuzungsbereich vom 19. bis zum 20. Juli – jeweils zwischen 20 Uhr und 5.30 Uhr.

• Am 18. Juli (ab 8 Uhr) beginnen die Fräsarbeiten im Abschnitt zwischen dem Kreisverkehrsplatz und Kampen. Am 19. Juli (voraussichtlich ab 14 Uhr) starten im Abschnitt zwischen Bahnweg und Kreisverkehrsplatz die Fräsarbeiten. Vom 25. bis zum 29. Juli finden in den Abschnitten Asphaltierungen statt. Nach Abschluss der Restarbeiten wie dem Herstellen der Markierungen und der Profilierung des Seitenstreifens wird die L 24 voraussichtlich am 2. August wieder freigegeben, teilt der LBV weiter mit.

• Der Radweg: Vom 13. Juli bis zum 1. August wird der Radweg zwischen Wenningstedt und Kampen vollständig und von Grund auf in einer Breite von dreieinhalb Metern erneuert. Für diese Arbeiten ist der Fuß- und Radweg voll gesperrt. Der Radverkehr wird dabei, parallel zur Baustrecke, an den Arbeitsbereichen vorbeigeführt.

• Umleitung: Die ausgeschilderte Umleitung während der Vollsperrung führt ab Westerland über die K 117 nach Keitum und die K 118 durch Braderup nach Kampen und umgekehrt. Wenningstedt ist ab Braderup über die K 120 (Terpwai) zu erreichen. Die Verkehrsführung wurde mit der Polizei, dem Ordnungsamt der Gemeinde Sylt und dem Buslinienbetreiber abgestimmt. Die Gesamtkosten von mehr als 2 Millionen Euro trägt das Land Schleswig-Holstein.

Einer muss den Hut aufsetzen – der Bürgermeister!

Von Heiko Wiegand
Sie streiten gern auf der Insel. Die von der Gemeinde Sylt mit denen vom Amt Landschaft Sylt. Die aus Westerland mit denen aus den Dörfern im früheren Sylt-Ost. Und jeweils umgekehrt. Und ganz aktuell wird darüber gestritten, wer den Bockmist verzapft hat, mitten in der Hochsaison die Landesstraße 24 wegen Sanierungsarbeiten zu sperren – fast zwei Monate lang teilweise, knapp drei Wochen davon sogar voll. Mit Umleitungsempfehlungen durch den Sylter Osten.

Sie streiten, wer jetzt schuld ist. Aber die Suche nach dem Schuldigen ist am Ende wenig zielführend. Dieses Thema liegt in der Vergangenheit. Am Ende hilft es niemandem weiter, den Schuldigen an den Pranger zu stellen. Waren‘s die Verantwortlichen des Landesbetriebs für Straßenbau? War‘s die Verwaltungsspitze auf Sylt? War es am Ende einfach die schlechte Abstimmung zwischen den beiden Institutionen? Geschenkt!

Was jetzt nötig ist, ist der Blick in die Zukunft. Einer muss sich den Hut aufsetzen, das Problem zur Chefsache erklären und mit den LBV-Verantwortlichen zusammensetzen. So lange, bis eine Lösung gefunden ist. Bis die Straßenarbeiten in den Herbst verlegt sind. Das kann auf Sylt nur Bürgermeister Nikolas Häckel sein. Der Verwaltungschef sollte den Vertretern des Landesbetriebs für Straßenbau gegenüber jetzt mit klaren Worten auftreten, diskret und hinter den Kulissen. Jeder wahrt dabei sein Gesicht und nach gemeinsam erarbeiteten Lösungen wird in einer ebenso gemeinsam anberaumten Pressekonferenz vorgestellt, ab wann im Herbst genau die Bauarbeiten beginnen.
Die lästige Suche nach dem Schuldigen steht auf der Insel allzu oft im Vordergrund. Viel wichtiger ist aber das gemeinsame, das zielführende Gespräch. Und die gemeinsame Suche nach Lösungen.

Und genau an dieser Stelle steht Nikolas Häckel in der Pflicht, Führung zu beweisen. Und Lösungen für die Insel, ihre Bewohner und Gäste zu erarbeiten.
Immerhin: Die Tiefbauer sind noch nicht angerückt. Es gibt sicherlich noch einen zeitlichen Spielraum. Den sollte Nikolas Häckel jetzt aber sehr schnell nutzen. Er hat nur noch knapp zwei Wochen Zeit!


Geschrieben von: Heiko Wiegand / veröffentlicht am: 24.05.2022
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