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Sylter Politik fordert zum Handeln auf

Bahn-Chaos geht weiter

Foto: oh

Insel Sylt (P.M.) Mit großem Presse- und Fototermin kündigten der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz und die Deutsche Bahn am 6. Mai in Husum an, dass sich die Lage auf der Marschbahnstrecke nach Westerland schon ab dem kommenden Tag bis in den November entspannen sollte. Mit täglich zusätzlichen 8500 Sitzplätzen zwischen Niebüll und Westerland sollten Reisende und Pendler bequem und sicher mit dem nötigen Corona-Abstand auf die Insel kommen. In einem Brandbrief an den Verkehrsminister wurde vor gut einer Woche mit deutlichen Worten beklagt, dass angesichts ausgefallener Züge und dichten Gedränges in den Waggons der „Sommeroffensive“ der Bahn wohl die Luft ausgegangen sei. Der Brief, der unter anderem von allen Sylter Bürgermeistern, dem Dehoga-Vorsitzenden Dirk Erdmann, dem Sylt Marketing-Geschäftsführer Moritz Luft und dem Vorsitzenden der Sylter Unternehmer,

Karl Max Hellner unterzeichnet war, wurde im angeschriebenen Ministerium zwar mit Bedauern aufgenommen, geändert hat sich die Lage nach den Erfahrungen von Pendlern allerdings nicht.
„Wenn statt zehn bis zwölf Waggons nur sechs angekoppelt sind, stehen wir in den Gängen und vor den Türen dicht beieinander, teilweise nur 40 bis 50 Zentimeter voneinander entfernt“, schildert Achim Bonnichsen, Sprecher der Sylter Pendler-Initiative, seine ganz aktuellen Eindrücke.

So machen gerade während der Hauptnutzungszeiten am frühen Morgen und am späten Nachmittag Kurzzüge und Zugausfälle den Pendlern das Leben schwer und machen Corona-Abstandsregeln zur Farce. Aktuell sorgte zum Beispiel am Montag gegen7 Uhr ein ausgefallener Zug für dichtes Gedränge schon auf den Bahnsteigen in Niebüll und in den späteren Zügen.

In dem Brief an den Minister werden die Erfahrungen die regelmäßigen Marschbahn-Passagiere wiedergegeben, die von einem guten Start der Bahn-Sommerinitiative berichten. Doch schon nach wenigen Tagen stellte sich Ernüchterung ein, die technischen Störungen und Zugausfälle häuften sich wieder, die zusätzlichen 8500 täglichen Sitzplätze standen fast nie in angekündigtem Ausmaß zur Verfügung. Im Gegenteil, zum Beginn der Sommerferien gestaltete sich die Lage noch dramatischer.

Selbst die Bahn gibt zur Zeit auf ihrem Internet-Portal für die Verbindungen zwischen Niebüll und Westerland von montags bis freitags in der Zeit von 5.31 bis 7.01 Uhr folgende Empfehlung: „Hohe Auslastung, bitte weichen Sie möglichst auf eine andere Verbindung aus.“

Dass sie Bahnstrecke und das fahrende Material nicht auf der Höhe der Zeit sind, bestätigt ein Lokführer, der ungenannt bleiben möchte. Er berichtet zum Beispiel von Weichen und Schranken, die noch mit Muskelkraft betrieben werden müssen. Diese Technik sei sonst nur bei Museumsbahnen üblich. „Trainspotter“, die auf Fotos seltener oder historischer Loks oder Waggons aus sind, berichten am Königskamp von Schnappschüssen bei bayerischen Bergbahnen ausgemusterter Lokomotiven vor Nahverkehrszügen: „Wenn das Autos wären, hätten die alle ein H-Kennzeichen.“ Diese Kennzeichen gibt es für historische Kfz, die mindestens 30 Jahre alt sind. Und historische Fahrzeuge sind nun einmal, das weiß jeder Oldtimer-Liebhaber, etwas reparaturanfälliger.

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