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Sinkende Schülerzahlen am Berufsschulstandort Westerland

Außenstelle bleibt auf Sylt

Foto: P.M. Die Außenstelle Westerland der Berufsschule Niebüll liegt an der St. Nicolaistraße. Trotz sinkender Schülerzahlen soll der Standort gehalten werden. Foto:

Westerland.(P.M.) Nicht nur auf Sylt ist die Zahl der jungen Menschen, die sich zum Beispiel in der Gastronomie ausbilden lassen, seit Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Wenn Betriebe auf der Insel ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können, hat aber nicht nur die lokale Wirtschaft allen Grund, Alarm zu schlagen. Mit der Berufsschule ist auch die zweite Säule der dualen Ausbildung vom Rückgang der Ausbildungszahlen betroffen. Sylter Auszubildende im Bereich Einzelhandel und Gastgewerbe genießen seit Jahren den Vorteil, ihre schulische Ausbildung in Westerland absolvieren zu können. Die für den Norden Nordfrieslands zuständige Berufsschule in Niebüll betreibt an der Westerländer St. Nicolaistraße eine Außenstelle, die zurzeit noch von rund 180 Auszubildenden besucht wird.

Vor einem Jahrzehnt war, so erinnert sich der Leiter der Schule in Niebüll, Oberstudiendirektor Finn Brandt, die Schülerzahl noch doppelt so hoch.
Die kontinuierlich sinkende Zahl der Auszubildenden macht es Brandt nicht leicht, die Außenstelle mit vertretbaren Klassengrößen zu betreiben. „Normalerweise hat eine Berufsschulklasse 20 Schülerinnen und Schüler, 15 Auszubildende müssten es aber mindestens sein. In Westerland haben einige Klassen nur sieben bis neun Schülerinnen und Schüler. Das ist wirtschaftlich eigentlich nicht vertretbar“, schildert Brandt den aktuellen Sachstand.

„Auch wir erleben seit Jahren einen Rückgang an Auszubildenden“, bestätigt Claas-Erik Johannsen, Hotelier (Benen-Diken-Hof, Keitum) und Vorstandsmitglied von Dehoga Sylt, die negative Entwicklung. Ein Grund für die Schwierigkeiten sieht Johannsen im demografischen Wandel, auf der anderen Seite müsse das Gastgewerbe daran arbeiten, den Beruf attraktiver zu machen: „Diese Hausaufgaben haben wir seit Jahren und geben uns alle Mühe.“ Für die Azubis auf der Insel sieht er es als klaren Vorteil, dass es einen Berufsschulstandort in Westerland gibt: Den wollen wir auf jeden Fall behalten!“

Dieses Ziel hat auch Schulleiter Finn Brandt: „Ich finde es natürlich gut, dass es die Sylter Unternehmer zu würdigen wissen, dass wir den Standort erhalten.“ Das sei aber nicht leicht: „Wir machen das durch gewisse Quersubventionierungen möglich, den Unterricht in Westerland trotz der bedenklichen Zahlen zu sichern.“

Für den erfahrenen Berufsschulpraktiker wird mit den zurückgehenden Zahlen an Berufsausbildungen ein komplexes Problem deutlich: „Die Ursachen sind so vielschichtig, dass es keine einfachen Lösungen gibt.“ Man könne vor Ort nur mit ganz konkreten Maßnahmen versuchen, die Schülerzahlen zumindest zu stabilisieren. Dazu gehöre zum Beispiel, die Ausbildungsbetriebe auf Föhr und Amrum zu motivieren, ihre Auszubildenden zur Berufsschule nach Sylt zu schicken. „Das unterstützen wir hier auf der Insel ganz aktiv. Zusammen mit dem KLM sorgt die Dehoga für die Unterbringungsmöglichkeiten für auswärtige Berufsschüler während des Blockunterrichts“, beschreibt Claas-Erik Johannsen die Bemühungen der Sylter Fachbetriebe.

Bis zum Neubau eines Lehrlingsheims stellt das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) Zimmer in einem ehemaligen Pflegeheim zur Verfügung.

Trotz der vielschichtigen Probleme hat Schulleiter Brandt aber den festen Vorsatz, den Schulstandort an der St. Nicolaistraße zu halten: „So eine Ausbildungsstätte ist ja schließlich ein identitätsstiftendes Merkmal für eine Region. Vor diesem Hintergrund sehe ich den Schulstandort nicht in Gefahr!“ Auch die Betriebe aus dem Handel, deren Azubis kaufmännische Berufe erlernen, dürfte dieses Versprechen erleichtern.


/ veröffentlicht am: 28.10.2021
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