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Gedenken an im Nationalsozialismus deportierte SPD-Mitglieder

SPD reinigt Stolpersteine

Foto: Peter Marnitz Holger Weirup, Eberhard Eberle und Gerd Nielsen reinigen zusammen mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Peter Marnitz die Sylter Stolpersteine.

Westerland. Den 9. November – ein für Deutschland in mehrfacher Hinsicht historisches Datum – nahm die Sylter SPD zum Anlass, der Opfer der NS-Diktatur auf der Insel zu gedenken. Die Sozialdemokraten nutzten die Gelegenheit zu ganz praktischer Erinnerungskultur: Sie reinigten die vier Stolpersteine, die in Westerland auf das Schicksal der SPD-Mitglieder, die aufgrund ihrer Überzeugung verfolgt wurden, aufmerksam machen.
Die Gemeindevertreter Holger Weirup, Eberhard Eberle und Gerd Nielsen machten sich zusammen mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Peter Marnitz auf den Weg, um die von dem Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine wieder glänzen zu lassen.

Der erste Stein unmittelbar vor dem Westerländer Rathaus erinnert an den 1907 in Westerland geborenen Nikolaus Ehlers. Der Postbeamte trat 1931 in die SPD ein. Es waren kritische Äußerungen zum NS-Regime, die ihn ins Gestapo-Gefängnis und später ins KZ Sachsenhausen brachten. Er überlebte das Lager nur knapp und wurde später Gemeindevertreter in Westerland. Ehlers war es auch, der 1957 die Beurlaubung des Bürgermeisters Heinz Reinefahrt forderte, als dessen verwerfliche Rolle bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes bekannt wurde. Der Antrag wurde übrigens abgelehnt. Ehlers starb 1958 bei einem Unfall.

Der zweite Stolperstein liegt in der Kjeirstraße 14 und erinnert an den 1895 in Westerland geborenen Carl August Quaas. Nach seiner gescheiterten Auswanderung in die USA machte er im elterlichen Betrieb eine Schlachterlehre. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er wieder zurück in die Schlachterei. Neben seinem Beruf und seiner Aufgabe als Vater von sieben Kindern engagierte sich Quaas politisch in der SPD. 1933 wurde er in die Westerländer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Das war für das NS-Regime Grund genug, ihn im August 1944 zusammen mit sechs anderen Syltern zu verhaften und schließlich im KZ Neuengamme einzusperren. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 wurden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Das Schiff wurde am 3. Mai 1945 von englischen Bombern, die das Schiff für einen Truppentransporter hielten, versenkt. Carl Quaas kam dabei ums Leben.

Die dritte Station der SPD-Gruppe liegt an der Johann-Möller-Straße 20 und erinnert an das Schicksal von Carl Christian Jessen, der 1882 in Morsum geboren wurde. Der gelernte Schmied arbeitete bis in die 1920-er Jahre als Lokführer und stieg dann erfolgreich in das aufblühende Tourismusgeschäft ein. Er betrieb mehrere Gästehäuser, unter anderem das „Haus Nordmark“ und das benachbarte „Haus Nordwacht“. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein und wurde Stadtverordneter in Westerland. Das blieb er bis zur letzten freien Wahl 1933. Im August 1944 teilte er das Schicksal von sechs weiteren Syltern und wurde von der Gestapo verhaftet und ins KZ Neuengamme gesperrt. Dort verlor sich seine Spur. Es ist nicht bekannt, ob er den Fußmarsch nach Lübeck nicht überlebte oder mit der „Cap Arcona“ unterging.

Der vierte Stolperstein, dessen Inschrift von den Sozialdemokraten gereinigt wurde, erinnert an den 1900 in Tinnum geborenen Max Feddersen. Seit den 1920er Jahren arbeitete er bei der Sylter Inselbahn. 1933 wurde er als SPD-Vertreter in den Westerländer Stadtrat gewählt. Dies schien allein der Grund gewesen zu sein, dass er im August 1944 zusammen mit sechs weiteren Syltern von der Gestapo verhaftet und schließlich ins KZ Neuengamme gebracht wurde. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 wurden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Feddersen starb wie Carl Quass am 3. Mai 1945 nach der Versenkung des Schiffes. Max Feddersen, der nicht schwimmen konnte, ertrank. Mehr Infos zu den Stolpersteinen gibt es unter www.gemeinde-sylt.de/stolpersteine.


Geschrieben von: Redaktion / veröffentlicht am: 15.11.2022
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