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Die Sylter Zeitung hat nachgefragt: Wann geht die Insel wieder auf?

Hoffen auf das Ostergeschäft

Foto: hwi Tote Hose in Westerlands Innenstadt, hier ein Blick in die menschenleere Friedrichstraße im Frühjahr 2020. Wann dürfen wieder Gäste kommen?

Insel Sylt.(hwi) Über kaum eine Frage kommen die Sylter derzeit so engagiert ins Gespräch wie über die Frage, wie lange der Lockdown noch andauert, wie lange Touristen zwischen List und Hörnum nicht übernachten dürfen. Bis Biike? Bis Ostern? Bis Pfingsten gar, weil mutierte Viren noch ansteckender sein sollen als die aus dem vergangenen Jahr bekannten? Die „Sylter Zeitung“ hörte sich in der Sylter Politik, in der Wirtschaft und in der Hotellerie um.

Ronald Glauth, Geschäftsführer der Wirtschaftsgesellschaft des Vereins Sylter Unternehmer:
„Wir blicken derzeit alle in die Glaskugel, klar. Das noch ansteckendere Virus ist jetzt schon in Flensburg aufgetaucht, und gleichzeitig hofft unsere schwer gebeutelte heimische Wirtschaft auf das Ostergeschäft. Am Ende ist es auch eine ethisch-moralische Debatte: Viele Insulaner sorgen sich verständlicherweise vor einer zu frühen Öffnung, weil damit natürlich auch das Virus hierher transportiert werden kann. Wenn es also eine Öffnung gibt, müssen wir alle absolut sicher sein, dass die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich gehalten wird. Wir müssen uns auf die Öffnung also bestmöglich vorbereiten, dafür ist jetzt noch Zeit. Wir müssen aber auch schauen, dass es irgendwann zu einer Öffnung kommt, weil andernfalls viele Betriebe dieses Jahr nicht überleben werden. Wenn Mitarbeiter von Betrieben, wenn Sylter und Gäste geschützt sind, hoffen wir auf das Ostergeschäft. Unabhängig davon werden Insolvenzen wohl leider unvermeidbar sein.“

Ronald Benck, Bürgermeister der Gemeinde List:
„Ich glaube nicht, dass die Insel wieder auf einen Schlag geöffnet werden kann, das wird sicher nicht innerhalb von einem Tag komplett möglich sein. Relativ neu ist die Entwicklung mit diesem mutierten Virus, das noch ansteckender ist als das Virus im vergangenen Jahr. Das ist nicht hilfreich, wenn wir über eine Öffnung der Insel zu Ostern reden. Damals, vor fast einem Jahr, als das Corona-Problem losging, haben wir alle damit gerechnet, dass das Problem in wenigen Monaten gelöst sein würde. Wir haben heute noch damit zu kämpfen. Deshalb denke ich auch, dass es eher Richtung Pfingsten geht mit der Wiedereröffnung der Insel für unsere Gäste.“

Kay Becker, Mitarbeiter beim DB-Sylt-Shuttle:
„Derzeit fahren wir einen Sonderfahrplan mit zehn Zügen pro Richtung und Tag. Diesen Plan werden wir mindestens bis zum 25. März beibehalten. Vor Ostern wird sich also sicher nicht viel bewegen. Aber ich denke andererseits auch, dass wir Ostern das Schlimmste hinter uns haben werden. Was ich weiß ist, dass wir schnell reagieren können, wenn die Insel vom einen Tag auf den anderen wieder aufgehen sollte. Als am 18. Mai vergangenen Jahres die Insel nach dem ersten Lockdown wieder aufging, konnten wir sofort vier bis fünf zusätzliche Züge bereitstellen. Wenn‘s losgeht, werden wir also gut gerüstet sein.“

Christian Siegling, Hoteldirektor im „Severin*s Resort & Spa Sylt“:
„Hätten wir den mutierten Virus nicht, könnten wir sicher Ostern öffnen. Jetzt bin ich in dieser Frage nicht mehr ganz sicher, deshalb planen wir intern auch mit dem 1. Mai. Es gibt also zwei Szenarien bei uns im Haus – eins für Ostern und eins für den 1. Mai. Die ganze Öffnugsdiskussion macht aber aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn eine europäische Lösung angestrebt wird, denn nur dieser Weg garantiert eine gleichberechtigte Behandlung für die deutsche Hotellerie im europäischen Rahmen. Wenn wir in Deutschland am Ende die einzigen sind, die geschlossen bleiben, weichen unsere Gäste auf internationale Ziele aus – mit allen damit verbundenen Nachteilen.“

Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG):
„Ein Datum werde ich nicht nennen können, dafür sind die aktuellen Entwicklungen zu gegenläufig.
Aus meiner Sicht stellt sich eher die Frage, wie geöffnet wird. Bleibt es bei dem einen Wert, wie hoch die Inzidenz ist, oder kommen weitere hinzu, die bei der Bewertung der Risiken ebenfalls eine Rolle spielen – beispielsweise die Frage, wie hoch inzwischen die Impfquote ist und wie stark die lokalen Kliniken ausgelastet sind. Mich treibt tatsächlich das ,Wie‘ um. Nehmen wir ein aktuelles Beispiel aus der Region: In den Kliniken Niebüll und Husum hatten wir lokale Corona-Ausbrüche, die den Inzidenzwert für den Kreis Nordfriesland in die Höhe schnellen ließen. Sylt ist hingegen davon höchstens indirekt betroffen. Aus meiner Sicht sollten wir so früh wie sinnvoll öffnen. Wenn es uns allerdings nicht gelingt, zu Ostern zu öffnen, werden wir vor immensen Problemen stehen – aus wirtschaftlicher, aber eben auch aus gesellschaftlicher Perspektive. Und diese Folgen sind derzeit überhaupt nicht absehbar.“

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