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Ein Blick in die Obdachlosenunterkunft

Hilfe zur Selbsthilfe

Foto: Nicole Lütke Diana Rechlin kümmert sich mit ihrem Team um Obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen auf Sylt.

Westerland. Vor ein paar Tagen war die Insel in ein schneeweißes Kleid gehüllt, die Temperaturen waren im Keller. Kaum vorstellbar, wie es sein muss, sein Leben draußen, ohne Dach über dem Kopf, zu verbringen. Wie viele Obdachlose bei diesen winterlichen Verhältnissen draußen ausharren – Diana Rechlin, Sachbearbeiterin und Teamleiterin der Obdachlosenhilfe, weiß es nicht. „Es gibt auf Sylt keine Verpflichtung, sich als Obdachloser bei der Gemeinde zu melden. Das ist eine freie Entscheidung“, erklärt sie die Lage.

Gibt es Hinweise aus der Bevölkerung oder droht Menschen eine akute Obdachlosigkeit, dann greifen die Hilfsmechanismen der Gemeinde Sylt sofort. „Durch unser Winternotprogramm muss niemand bei eiskalten Temperaturen die Nacht im Freien verbringen“, sagt Rechlin. Mittellose oder obdachlose Menschen können in einem solchen Fall eine Nacht in der Unterkunft im Sjipwai 51a bleiben. Dort gibt es überwiegend Mehrbettzimmer mit vier Betten, aber auch spezielle Familienzimmer sind vorhanden. Insgesamt finden in den Räumen 40 Personen Unterkunft. Die Zimmer sind mit Spinden, Waschbecken und Doppelstockbetten ausgestattet. Dazu stehen in einer Box die nötigsten Dinge wie Handtücher parat.

Ab 17 Uhr werden Obdachlose hereingelassen. Das Zimmer muss dann allerdings am nächsten Tag bis 10 Uhr besenrein verlassen werden. Zuständig für die Unterkunft ist das Amt für Ordnung und Soziales der Gemeinde Sylt. Gabriele Gotthardt, Leiterin des Amtes, und Diana Rechlin betonen beide, dass jeder, der um Unterstützung bittet, auch Hilfe bekommt. „Uns geht es vor allem darum, eine drohende Obdachlosigkeit zu verhindern“, sagen sie. Die Obdachlosenhilfe verfolgt stark den Ansatz der Prävention. Das bedeutet, dass umgehend alle möglichen Hilfsangebote ausgeschöpft werden, um die individuelle Lebenssituation des Betroffenen zu verbessern. „Häufig haben diese Menschen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen: Alkoholsucht, Schulden, Depressionen. Da braucht es schon entsprechende Unterstützung, um das Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken“, erklären Gotthardt und Rechlin. Wie lange diese Unterstützung dauert, ist sehr unterschiedlich. „Wir suchen vor allem nach einer beständigen Lösung. Das Wichtigste: Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe. Der Betroffene muss bereit sein, Hilfe anzunehmen und selbstständig kleine Schritte zurück ins Leben machen“, sagt Rechlin. Dafür gibt es auch die sogenannten Trainingswohnungen. Dort leben Menschen, die ihr Leben wieder selbstständig führen sollen. „Wir lassen natürlich niemanden allein, sondern sind da, wenn Hilfe gebraucht wird“, so die Teamleiterin der Obdachlosenhilfe. Es gebe kein Schema F, wie man den Obdachlosen oder Menschen in Not am besten helfen kann. Jeder Fall wird individuell betrachtet. „Es ist wichtig, Vertrauen zueinander aufzubauen. Die Menschen, die zu uns kommen, haben ihr Selbstbewusstsein verloren, ihren Halt und ihren Platz im Leben. Den müssen sie sich erst wieder erarbeiten.“ Der schönste Lohn ihrer Bemühungen ist es, wenn ein Mensch seinen Weg ins Leben zurückgefunden hat. „Auch wenn das meist viel Arbeit ist, es lohnt sich immer“, so Rechlin.


Geschrieben von: Nicole Lütke / veröffentlicht am: 20.12.2022
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