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Probleme im Dialog klären

Erste Baugenehmigung für Multipark

Foto: Peter Marnitz

Westerland. Rund eineinhalb Jahre hatte man auf die erste Baugenehmigung für den Multipark gewartet. Doch dass das wichtige Papier kurz vor Weihnachten im Westerländer Rathaus eintraf, bedeutet nicht, dass für das mit großer Mehrheit von der Sylter Gemeindevertretung beschlossene Jugend-Projekt demnächst der Start der Bauarbeiten gefeiert werden kann.

Bevor die Möglichkeit besteht, den symbolischen ersten Spatenstich auf dem Gelände des alten Syltstadions zu vollziehen, bedarf es noch gerichtlicher Klärungen, Änderungen von Bebauungsplänen und vieler Gespräche, um das Ziel eines attraktiven Freizeitortes zu erreichen, der in friedlicher Koexistenz mit den Nachbarn genutzt werden kann.

Bei der Erteilung der Baugenehmigung sorgte ein Passus für Erstaunen, der die Nutzung der Sportanlagen und damit auch das Befahren den Skateparks nur für den Vereins- und Schulsport erlaubt. Die Öffentlichkeit bliebe so ausgeschlossen. Das Problem liegt im geltenden Bebauungsplan für das Gelände, der den Bereich nur als reine Sportanlage vorsieht. Anders als es die Gemeinde Sylt bewertet, beruft sich der Kreis Nordfriesland auf den rechtskräftigen Bebauungsplan Nr. 17a, der ein Sondergebiet Sport und Veranstaltung festsetzt. Nach Ansicht des Kreises ist eine zugängliche Skateanlage hier nicht zulässig. Daher wurde die Nutzbarkeit der Anlage im Bauantragsverfahren zunächst auf Schul- und Vereinssport begrenzt und es musste eine Einzäunung vorgesehen werden. „Doch die Änderung des B-Plans, der eine frei zugängliche Freizeitfläche vorsieht, ist bereits in die Wege geleitet“, beruhigt Bürgermeister Nikolas Häckel. Das dazu nötige Lärmgutachten sei entsprechend den Vorgaben des Landes angepasst worden.

Der zu erwartende Lärm ist es auch, der die Anwohner im benachbarten Wohngebiet auf den Plan gerufen hat. Kaum war die erste Baugenehmigung erteilt, wurde die juristische Ebene eingeschaltet. So teilte der Kreis Nordfriesland mit, dass vier Personen Nachbarwiderspruch gegen die Baugenehmigung des Kreises für den ersten Bauabschnitt des Multiparks eingereicht haben.
Ihnen gegenüber stehen die Skater vom Verein Skateboarding Sylt e.V. die sich schon seit Jahren für die Anlage stark machen. Sie sind die Ideengeber, einen Skatebereich zu einem wichtigen Teil des für viele Sportarten konzipierten Multiparks zu machen.

Noch wurde über die Widersprüche der Anwohner nicht entschieden, doch außerhalb des Gerichtssaals bahnt sich zwischen beiden Parteien eine Dialogbereitschaft an. Sowohl Skateboarding Sylt mit dem Vorsitzenden Gernot Westendorf ,als auch die Anwohner, deren Stimme Andreas Dobrzinski ist, zeigen sich gesprächsbereit und gehen respektvoller miteinander um, als es mache Anhänger der jeweiligen Interessengruppen in den sozialen Netzwerken tun.

So machten jetzt Skateboarding Sylt den Kritikern das Angebot, sich einmal gemeinsam einen real existierenden Skatepark anzusehen: „Wir als Skateboarding Sylt möchten die IG-Anlieger sogar zu einer Fahrt nach Haderslev zum Streetdome einladen. Ein Teil der Rollfläche ist dort überdacht mit flexiblen Toren, die andere unter freiem Himmel. Ein perfekter Ort, um sich näher zu kommen und die realen Geräusche von Skateboards auf Ortbeton zu erfahren. Unsere Politik und Verwaltung haben das bereits 2017, zum Anfang aller Multipark-Gespräche und Planungen, wahrgenommen, um sich ein neutrales Bild zu machen.“Für Andreas Dobrzinski kommt eine solche Exkursion durchaus in Frage, wie er im Gespräch mit der Sylter Zeitung betonte: „Wir haben grundsätzlich Interesse an diesem Angebot. Ich habe zwar noch keine Rückmeldung aus der Anwohner-Gruppe, aber das hat sicher Termingründe. Ich bin auch gern bereit, mir zusammen mit Herrn Westendorf die Anlage anzusehen und miteinander darüber zu reden. Wenn es auch manchmal anders kolportiert wird, möchte ich betonen, dass wir prinzipiell gesprächsbereit sind.“
Es gehe den Anwohnern nicht darum, grundsätzlich alles abzulehnen oder den Multipark an einen anderen Ort zu verlagern.

„Uns geht es darum, die Interessen der Anwohner zu schützen. Zum Beispiel muss das Problem gelöst werden, wie die in der Baugenehmigung vorgeschriebenen Ruhezeiten sichergestellt werden. Da muss die Gemeinde aktiv werden, um die Einhaltung zu gewährleisten“, konkretisiert Dobrzinski seine Intention.
In der nächsten Woche stehen Gespräche zwischen der Gemeinde und der Anwohner-Interessengemeinschaft an. Daran soll neben der Verwaltung auch die Selbstverwaltung, sprich Politiker der Gemeindevertretung, teilnehmen.

Bei diesem Treffen, in das der Anwohner-Sprecher „ergebnisoffen“ gehen will, wird auch die Änderung des B-Plans für die Nachbarschaft des Multiparks eine Rolle spielen. Der Plan sah bisher ein reines Wohngebiet vor und soll jetzt eine gemischte Nutzung erlauben. Das macht die Vermietung von Ferienwohnungen möglich und ändert die zu tolerierenden Lärmwerte, wird aber für die Sicherung von Dauerwohnraum als problematisch angesehen.

Auch die Skater zeigen sich in der aktuellen Situation hoffnungsvoll, dass man trotz des laufenden Widerspruchsverfahrens im Dialog eine von allen getragene Lösung finden kann: „Wir sind bei Gesprächen gerne dabei und wünschen uns Gesprächspartner, die bereit sind, auf uns zuzugehen.“ Skateboarding Sylt zeigt sich auch, falls eine gemeinsame Lösung gefunden wird, optimistisch für die Realisierung des Multiparks. In einer Crowdfunding-Aktion, die von der Sylter Bank und der EVS unterstützt wurde, kamen 183.000 Euro zusammen.

Dazu kommt noch eine Erfolgsmeldung von der Verwaltung: Die Gemeinde Sylt hat für den 1. Bauabschnitt des Skateparks kürzlich einen Förderbescheid des Landesamtes für Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt erhalten. Die AktivRegion Uthlande hatte den 1. Bauabschnitt als Förderprojekt zugestimmt und eine Förderung durch die Europäische Union ermöglicht. Mittel in der Höhe von 85.000 Euro sind nun für das Projekt reserviert.
Noch ist bei allen Beteiligten viel Bewegung erforderlich, um gemeinsam mit dem Multipark einen Ort für Bewegungssport zu verwirklichen.


Geschrieben von: Peter Marnitz / veröffentlicht am: 03.02.2022
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