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Bäckerei Raffelhüschen feiert 90. Geburtstag

Eine Leistung von vier Generationen

Foto: Nicole Lütke Zwei Generationen: Broder und Thomas Raffelhüschen leiten gemeinsam die Geschicke der Bäckerei.

Insel Sylt. „Bringst du mir einen Dünenknust und einen Knacker mit?“ Wer zum ersten Mal Sylt besucht, mag bei diesen Begriffen die Stirn runzeln. Doch Eingeweihte wissen natürlich sofort, worum es sich bei den genannten Mitbringseln dreht – und zwar um Brötchen der Bäckerei Raffelhüschen. Und die sind für Sylter und Gäste genauso unverzichtbar wie Nordsee, Strand und Heckenrose. Seit 90 Jahren backt Familie Raffelhüschen für Sylt – ganze Generationen sind mit den Produkten der Handwerksbäcker groß geworden. Auch wenn die Geschichte der Bäckerei vor über 100 Jahren auf dem Festland begann, ist die Familie eng mit Sylt verbunden. 1933 eröffnete in Westerland die erste Bäckerei Raffelhüschen und weitere sollten in den nächsten 90 Jahren folgen. Neun Jahrzehnte, in denen sich nicht nur auf Sylt vieles verändert hat, sondern auch im Bäckerhandwerk selbst.

Seniorchef Broder Raffelhüschen, der im vergangenen Jahr seinen 80. Geburtstag feiern konnte, erinnerte sich an die Anfänge. Die Geschichte der Bäckerei begann mit dem Großvater von Broder, Thomas Raffelhüschen. Dieser arbeitete von 1905 bis 1907 auf Sylt, in der Bäckerei von Peter Löck in Westerland. Dort lernte er seine Frau Ella Boysen kennen, die morgens immer in die Bäckerei kam, um Brötchen für die Pension ihres Vaters abzuholen. Thomas und Ella gingen 1907 nach Niebüll und übernahmen dort eine Bäckerei in der Hauptstraße. Deren Sohn Paul kaufte 1933 in der Boysenstraße die Bäckerei Löck.

Im Dezember 1942 kam Broder zur Welt. Der Betrieb der Bäckerei konnte während des Krieges aufrechterhalten werden; die Bäckerei in Niebüll wurde verpachtet.
„Das waren keine leichten Jahre“, sagte Broder. „Doch nach dem Krieg ging es auf Sylt wieder langsam aufwärts.“ Auf der Insel gab es noch 17 Bäckereien, erinnerte sich der Seniorchef. Die Brötchen wurden noch mit der Kleinbahn transportiert. „Man konnte sich ja nicht ausmalen, wie sich die Insel, vor allem der Tourismus, entwickeln würden.“

Broder Raffelhüschen ging aufs Festland, um dort den Beruf zu erlernen. Seine Meisterprüfung legte er 1967 ab. Den Betrieb übernahm er am 1. Juli 1983. Zu der in der Friedrichstraße 22 gelegenen Filiale kam eine neue Filiale an der Strandstraße. 1992 zog der Laden der Bäckerei an einen größeren Standort mit Backofen. Auch ein Bereich mit Stehtischen wurde dort eingerichtet, damit die Kunden ihren Kaffee direkt vor Ort genießen konnten.
Das Unternehmen wuchs stetig: Es gab neue Filialen, unter anderem in Tinnum, an der Deckerstraße, der Norderstraße in Westerland und in List. In der Bäckerei an der Deckerstraße wurden vor allem Kuchen und Brötchen hergestellt, in der Boysenstraße wurden Brot und Brötchen gebacken.

Die Räumlichkeiten stellten sich jedoch als zu klein heraus und die Familie entschloss sich, im neuen Gewerbegebiet in Tinnum 2002 eine moderne Produktionsstätte zu bauen. „Wir waren eine der ersten Firmen hier“, erzählte Broder.
2003 wurde mit dem Bau begonnen, bis dahin stand nur das Gebäude von Sven Voigt auf dem großen Areal. Anfang März 2004 zogen die Bäckereien aus der Deckerstraße und der Boysenstraße innerhalb von zwei Tagen an den neuen Produktionsstandort in der Straße Zum Fliegerhorst in Tinnum um – mit vier alten Etagenöfen und drei Stikkenöfen aus den alten Backstuben.

2009 stieg die nächste Generation mit ein: Aus der Bäckerei Raffelhüschen wurde eine GmbH und Co. KG mit zwei Geschäftsführern: Broder und Sohn Thomas, inzwischen auch Bäckermeister. Da es in den Produktionsräumen am Fliegerhorst zu eng wurde, entschlossen sich die beiden für einen Erweiterungsbau. Der Aufenthaltsraum und die Konditorei wurden vergrößert. Dazu kamen Kühl- und Lagerflächen. Im oberen Teil des Anbaus wurde eine Personalwohnung und ein zweites Büro eingerichtet, ein vierter Stikkenofen kam dazu. Auch bei den Filialen auf der Insel tat sich nochmal einiges: Ende März 2010 kam eine kleine Filiale in Archsum und eine auf dem Campingplatz in Wenningstedt dazu. Bäcker Jürgen Ingwersen bot den beiden Geschäftsführern 2011 einige Filialen an: im Feinkostgeschäft in Wenningstedt sowie bei Famila.

2014 kam eine Filiale im Haus am Kliff hinzu, die am Campingplatz in Wenningstedt wurde dagegen geschlossen. Die alten fünf Stikkenöfen wurden 2020 erneuert, so dass es jetzt eine größere Backfläche von insgesamt zehn Öfen gibt. „Doch dann machte uns Corona das Leben schwer. Die Gäste durften nicht mehr auf die Insel und die Umsätze gingen zurück“, sagt Thomas Raffelhüschen.

Doch wer 90 Jahre durch stürmische Seen und schwierige Gewässer manövriert ist, den bremst auch kein Corona aus! Und so werden in diesem Jahr 90 Jahre Bäckerei Raffelhüschen gefeiert – eine Lebensleistung von vier Generationen einer Familie.


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Geschrieben von: Nicole Lütke / veröffentlicht am: 27.06.2023
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