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Im Interview mit Bürgermeister Nikolas Häckel

Ein Haushalt im Mai

Foto: Archiv

Gemeinde Sylt. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde Nikolas Häckel (Foto) im Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Sylt von den Wählerinnen und Wählern bestätigt. 68,4 Prozent holte der parteilose Sylter in der Stichwahl am 28. März 2021 gegen seinen CDU-Herausforderer Clemens Raab. Oft stand der Verwaltungschef in seiner zweiten Amtszeit in der Kritik. Die seit Jahren andauernde Haushaltsmisere auf der Insel wird immer wieder mit ihm in Verbindung gebracht. Und oft sei er einfach nicht in den Sitzungen anwesend.
Stimmt das? Zeit, mit Nikolas Häckel ins Gespräch zu kommen. Die Fragen stellte unser Redaktionsmitglied Heiko Wiegand.

Herr Häckel, was sagen Sie zu den Vorwürfen aus der Sylter Politik?
Ich besuche sehr regelmäßig die Sitzungen der Gemeindevertretung, des Hauptausschusses sowie des Finanz- und Bauausschusses. Und die anderen Sitzungen je nach Thema. Die Fachbereiche sollen auch autonom arbeiten können und nicht immer von mir geprägt werden. Und genau das ist mein Ziel.

In der lokalen Politik ist eineinhalb Monate vor der Kommunalwahl einiges passiert. So wird es nach einer Entscheidung der Gemeindevertretung vor kurzem nicht dazu kommen, dass die Gemeinde Sylt den Weg ins Amt Landschaft Sylt anstreben wird. Was sagen Sie dazu?
Die Sache war schon damals, im Jahr 2022, aus meiner Sicht ein wenig merkwürdig. Es war nichts abgestimmt mit den amtsangehörigen Gemeinden. Und diese Initiative dann mit einer Stimme Mehrheit in der Gemeindevertretung zu beschließen, hat auch in der Politik zu großer Unruhe geführt, auch zu Unfrieden. Ich denke, dass wir jetzt, mit diesem einstimmigen Beschluss in der Gemeindevertretung, eine gute Voraussetzung haben, um mit den amtsangehörigen Gemeinden auf Augenhöhe über eine Lösung zu sprechen, wie man ein Gremium etablieren kann, in dem insular zusammengearbeitet wird. Allein, dass Politik sagt, sie möchte insular sprechen und sich abstimmen, halte ich für ein großes Zeichen. Und auf diesem Weg ist es auch besser zu machen als mit einer Stimme Mehrheit in Richtung Amt zu gehen, wie Ende 2022 geschehen.

Wie könnten Details für eine künftige Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Sylt und den amtsangehörigen Gemeinden aussehen?
Ich möchte da nichts vorwegnehmen. Wir wollen ja durch Gespräche erreichen, dass wir ein Gremium etablieren können. Das ist Aufgabe der Politik und nicht meine Sache.

Ebenfalls jüngst hat die Gemeindevertretung, ebenfalls einstimmig, das Beherbergungskonzept für die Gemeinde Sylt beschlossen und damit verbunden ein Verbot, neue Ferienwohnungen zu bauen. Was sagen Sie dazu?
Ich bin sehr froh und stolz über eine Lösung, die alle mittragen können. Jetzt müssen wir diese Beschlussfassung in die Bebauungspläne einarbeiten. Das ist eine Herkulesaufgabe. Aber es ist ein einstimmiges Signal aus der Politik und damit bin ich sehr zufrieden.

Themenwechsel: Bereitet sich die Verwaltung vor auf neuerliche Probleme mit den Punks in diesem Jahr? Gibt es da Überlegungen, das Problem in diesem Jahr besser in den Griff zu kriegen?
Ja, die gibt es. Es gibt auch einen Arbeitskreis, der sich mit dem Thema beschäftigt. In diesem Arbeitskreis haben wir entschieden, erst einmal nach innen zu arbeiten, also nicht in die öffentliche Diskussion zu gehen. Ich bitte um Verständnis, dass wir Maßnahmen, die wir im Auge haben, erstmal klar auf den Weg bringen wollen.

Wer ist an diesem Arbeitskreis beteiligt?
Das sind Vertreter der Inselgemeinden und der Tourismusservices, unter anderem.

Wird es denn im Umgang mit den Punks in diesem Jahr besser aussehen als im letzten?
Das hoffe ich sehr. Wir wissen seit dem vergangenen Jahr, dass unsere rechtlichen Möglichkeiten sehr beschränkt sind, aber wir möchten uns eben möglichst gut abstimmen, damit wir die Lage anders in den Griff bekommen als 2022.

Sind sie da optimistisch?
Ich hoffe es auf jeden Fall sehr, ja.

Werden die Ergebnisse dieser Gespräche irgendwann öffentlich gemacht werden?
Einiges mit Sicherheit, aber mit Sicherheit nicht alles. Wenn es jetzt losgeht mit der Saison, werden wir zeigen, wie wir mit der Lage umgehen können.

Thema Haushalt: Da scheint es ja Fortschritte zu geben. Es hat zwar unendlich lange gedauert, aber langsam tut sich was. Was sagen Sie zu diesem Problem?
Es ist eine Aufgabe für unsere zehn Mandanten, die wir zu betreuen haben – fünf Gemeinden und fünf Verbände. Es ist eine Herkulesaufgabe. Es ist immer noch schwierig, Daten zu finden. Was wir heute wissen: Wir werden eine andere Verwaltungsarchivierung brauchen. Wir haben uns lange mit Land und Kreis abgestimmt. Jetzt sind wir sehr weit und erwarten, dass wir in der Gemeinde Sylt im Mai einen Haushalt beschließen können. Dann haben wir alle Gemeinden durch. Und es sind nur noch zwei Verbände übrig.

Welche sind das?
Das ist der Landschaftszweckverband und der Flughafenzweckverband.

Wann ist da mit einer Lösung zu rechnen?
Ich rechne mit der Jahresmitte.

Noch einmal in dieser Sache nachgehakt: Wenn der Haushalt beschlossen ist, soll dann sofort alles abgearbeitet werden, nachdem nun so lange nichts investiert werden konnte? Oder geht es eher um eine Prioritätenliste?
Politik ist dabei zu diskutieren, welche Maßnahmen wir jetzt umsetzen können. Wir haben einen kleinen Stau für die freiwilligen Leistungen, denn die Pflichtaufgaben wurden ja umgesetzt. Aber es gibt einige große Themen, in denen wir uns die Frage stellen müssen, wie gehen wir damit um? Und in welcher Reihenfolge? Die Diskussionen in den Fachbereichen laufen sehr gut, wir kommen gut nach vorne. Ich bin zuversichtlich, dass wir schnell wieder ins Alltagsgeschäft kommen.

Wie geht’s weiter mit den maroden Straßen in der Gemeinde Sylt? Gibt’s da schnelle Lösungen?
Die Tiefbauabteilung ist dran, sich der Straßen anzunehmen. Alles rund um das Thema Straßenreparaturen ist ja gelaufen. Da ist nichts liegen geblieben, was wir nicht hätten machen können. Wir sind gerade dabei, eine große Maßnahme in Keitum umzusetzen, den Kairem Ingiwai, das ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses. Das läuft jetzt. Man muss dazu aber wissen, dass im Tiefbau lange Zeit Stellen vakant waren, weil es eben sehr schwierig ist, Fachkräfte zu bekommen. Wir werden es in einer Prioritätenliste abarbeiten müssen. Das, was wirklich substanziell gemacht werden muss, das wird auch gemacht.

Gibt’s denn Neues in Sachen Radweg am Lornsenweg? Da haben sich ja Anwohner sehr dafür eingesetzt, dass der Radweg nicht an die Rückseite des Seniorenzentrums verlegt wird.
In der Wegeführung wollen wir gerne fachlich begleitet werden. Das machen wir, wenn der Haushalt durch ist.

Haben Sie zum Abschluss dieses Gesprächs ein Thema auf dem Herzen, was Ihnen noch wichtig ist?
Das Sylter Archiv ist ein wichtiges Thema. Die Räume im Dachgeschoss der Alten Post sind ja bekanntlich nicht mehr die besten. Wir sind sehr konkret in der Standortsuche, damit wir ein neues Archiv bauen können – mit allen nötigen Vorgaben. Ich möchte dieses Archiv mit seinen Exponaten sicher wissen. Und es soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein.


Geschrieben von: Heiko Wiegand / veröffentlicht am: 04.04.2023
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