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Wanderratten haben auf Sylt das ganze Jahr Saison

Ebenso viele Ratten wie Menschen

Foto: pixabay Nach Schätzungen des Schädlingsbekämpfers Ivo Köster haben derzeit ebenso viele Ratten wie Menschen ihren ersten Wohnsitz auf Sylt.

Von Peter Marnitz

Insel Sylt. Dass sich in der zunehmend leerer werdenden Fußgängerzone jetzt Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, stimmt definitiv nicht. Dafür fallen die „Schadnager“ umso mehr auf, die man nicht nur in der Dunkelheit über Strandstraße, Friedrichstraße oder die Strandpromenade huschen sieht. Die flinken Vierbeiner der Gattung „Rattus norvegicus“ , allgemein bekannt als Wanderratte, scheinen die Insel verstärkt in ihr Visier genommen zu haben. Doch der Schein trügt, Fachleute haben kein Ansteigen der normalen Population der durchaus nicht ungefährlichen Tiere beobachtet.

Ivo Köster, der seit rund fünf Jahren als professioneller Schädlingsbekämpfer auf Sylt unterwegs ist, hält eine Ratten-Invasions-Angst für übertrieben: „Sicher entdeckt man im städtischen Umfeld Westerlands Ratten. Aber dass die Population deutlich gewachsen sein soll, kann ich nicht bestätigen. Die Nager lieben Wasserstellen und freuen sich über leicht zu erreichendes Futter. Da bieten menschliche Siedlungen immer einen reich gedeckten Tisch.“

Nach Schätzungen des Schädlingsbekämpfers haben derzeit ebenso viele Ratten wie Menschen ihren ersten Wohnsitz auf Sylt, ein ähnliches Verhältnis wie in der Landeshauptstadt Kiel. Aber auch im ländlichen Bereich der Insel sind die hungrigen und als Krankheitsüberträger gefürchteten Nager zu Hause.

Fortsetzung auf Seite2 Der Koch Peter Kellner, der seine Freizeit gern in seinem liebevoll gepflegten Garten in Morsum verbringt, hat schon Bekanntschaft mit den ungebetenen Gästen gemacht: „Obwohl ich in meinem Gartenhaus Ordnung halte und dort keine Lebensmittel aufbewahre, haben Ratten ein Loch in die Tür genagt und dort einige Flaggen beschädigt. Besonders die Werbefahne einer Sektkellerei scheint ihnen geschmeckt zu haben.“ Nach Verschließen des „Rattenlochs“ fand der Gartenfreund trotzdem immer mal wieder „Hinterlassenschaften“ der Nager, „aber den neuen Zugang werde ich auch noch finden.“

Besonders im landwirtschaftlichen Bereich sind Wanderratten keine gern gesehenen Gäste. Auch Holger Weirup, der auf der Insel Pferde hält, hat schon seine Erfahrungen gesammelt. Aber er hält Alarmstimmung aktuell für fehl am Platz: „Die Ratten nisten sich gern rund um Stalllungen ein. Wenn man aber rechtzeitig fachgerechte Vorsorge trifft, kann man die Schädlinge wirkungsvoll vertreiben. Mir ist in der letzten Zeit kein größerer Befall durch die Schädlinge aufgefallen.“ Deshalb sieht der Gemeindevertreter (SPD) auch keinen Anlass, die Schadnager jetzt zum politischen Thema zu machen.

So bleiben die zu Recht unbeliebten tierischen Mitbewohner, die Infektionskrankheiten wie Lassafieber, Salmonellen und die Tollwut übertragen können, ein Fall für den Schädlingsbekämpfer Ivo Köster: „In der Regel werden sogenannte Rodentizide in Köderboxen ausgebracht. Damit wird dafür gesorgt, dass bei den Ratten der Flüssigkeitshaushalt so nachhaltig gestört wird, dass sie eingehen. Die Dosierung ist auf die Größe der kleinen Nager abgestimmt, so dass für Hunde und Katzen keine Gefahr besteht. Darüber hinaus sind die Köder mit Bitterstoffen angereichert, die keinem Haustier schmecken.“

Die Verantwortung dafür, wer die Schädlinge vertreiben muss, ist klar festgelegt: Grundsätzlich ist der Grundstückseigentümer, Nutzungsberechtigte oder sonstige Besitzer von Grundstücken zur Bekämpfung eines Rattenbefalls verpflichtet. Wer sein Grundstück frei von Müll hält und Abfälle in verschlossenen Behältern lagert, macht es für Ratten unattraktiv. Um ein anziehendes Ziel für Menschen zu bleiben, sollte man eben gewisse ungebetene Gäste vertreiben und Wanderratten zum Auswandern zwingen.


Veröffentlicht am: 22.01.2021
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