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Der nahbare Star des Schlagers

Der nahbare Star des Schlagers

Foto: Peter Marnitz In Morsum hat er sein zweites Zuhause gefunden: „Hier findet man Ruhe, kann die Natur erleben.“

Morsum. Willy Brandt und Santa Maria, das Morsumer Watt und das Elbufer in Dresden, Liebeslieder und politische Philosophie: Roland Kaiser heißt der Mensch, der es schafft, diese scheinbaren Gegensätze wie selbstverständlich in Einklang – oder besser: Wohlklang – zu bringen. Der Mann, der die Verkörperung des deutschen Schlagers darstellt, ist nicht nur verliebt in seine Frau, er hegt auch tiefe Gefühle für „seine“ Insel Sylt. Seit 2013 hat der gebürtige Berliner, der seinen Hauptwohnsitz in Münster und vielen Tournee-Hotels hat, auch ein Haus in Morsum – ganz unprätentiös in einer eher bürgerlichen Anliegerstraße. Jetzt nahm sich der nahbare Mega-Star die Zeit zu einem Gespräch mit der Sylter Zeitung.

Im Café Ingwersen, bei einem Kännchen Roibos-Tee präsentiert sich ein Gesprächspartner, der es offenbar genießt, ruhig und konzentriert die aktuelle politische Lage zu beleuchten. Der Künstler, der seit 2002 SPD-Mitglied ist, macht aus seiner Grundeinstellung kein Geheimnis: „Ich komme aus dem Wedding, da muss man einfach Sozialdemokrat werden. Es ist ja bekannt, dass meine Mutter früher in der alten SPD-Parteizentrale das Büro von Willy Brandt geputzt hat. Da bin ich oft mitgekommen. Ob mich Willy aber tatsächlich bei dieser Gelegenheit auf den Schoß genommen hat, daran kann ich mich nicht erinnern.“ Woran sich Kaiser aber noch genau erinnern kann, war der Tag, als 1972 das konstruktive Misstrauensvotum gegen Willy Brandt scheiterte: „Da lagen sich junge Menschen in den Armen wie bei einer gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft. Willy Brandt gelang es einfach, die Jugend für sich zu begeistern. So hat das später niemand mehr geschafft.“
Aber auch heute findet Kaiser, der bei seinen Auftritten in Hallen oder Freiluft-Locations jeweils zehntausende Fans begeistert, für den aktuellen Kanzler Olaf Scholz lobende Worte: „Es war schon eine starke Rede, mit der er bei seiner Regierungserklärung auf den Krieg in der Ukraine reagiert hat. Das war schon wohlüberlegt.“ Der Überfall von Putins Truppen auf die Ukraine bereitet Kaiser auch an seinem Lieblingsort Sorgen. Eigentlich ist Sylt und speziell Morsum der Ort, sich zu entspannen und Kraft für seine Tourneen oder Produktionsphasen zu finden. „Anfang der 1980er Jahre bin ich aus Neugier nach Sylt gekommen. Man hatte mir schon gesagt, dass man diese Insel liebt – oder eben nicht. Etwas dazwischen gibt es nicht.“ Und wie es bei Kaiser gewirkt hat, kann man erleben, wenn er von seinem Morsum schwärmt: „Hier findet man Ruhe, kann die Natur erleben, und in meiner Straße bin ich von lauter freundlichen Menschen umgeben.“ Kaiser macht es Mitmenschen auch leicht, ihm freundlich zu begegnen, nach wenigen Minuten lässt er einen komplett vergessen, dass er einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger mit rund 90 Millionen verkauften Tonträgern ist.

Dass man den bekennenden Sylt-Fan kaum in der Insel-Gastronomie antreffen kann, hat nichts mit menschenscheuem Verhalten oder mangelndem Appetit zu tun. Sein Drang zum heimischen Herd hat ganz praktische Gründe: „Bei meinen Tourneen esse ich Tag für Tag in anderen Hotels oder Restaurants. Da freut man sich, endlich wieder zu Hause zu essen – zumal bei uns sehr gut gekocht wird.“ Und wenn er nicht das Leben in seinem zweiten Zuhause in Morsum genießt, geht der musikalische Überflieger in die Luft: „Ich habe mir vor einiger Zeit ein kleines eigenes Flugzeug gekauft. Es gibt nichts Schöneres, als über Schleswig-Holstein und das Wattenmeer zu fliegen. Das ist das totale Vergnügen. Über den Wolken…“
Wieder am Boden wartet dann die Realität auf den Sänger, der viele seiner Erfolgssongs selbst geschrieben hat. Natürlich ist Kaiser auch am Urlaubsort nicht ganz „aus der Welt“ und bearbeitet regelmäßig E-Mails oder betreut zusammen mit seiner Agentur die Präsentation seines neuesten Hits „Gegen die Liebe kommt man nicht an.“ Auch die anstehenden Tourneen, die im Juni starten und bis ins Frühjahr 2023 dauern, bewegen die Gedanken des Sängers.

„Das macht mir ja auch Spaß“, betont Kaiser, der trotz seines bevorstehenden runden Geburtstags noch lange nicht ans Aufhören denkt. Was ihm allerdings derzeit Sorgen bereitet, ist die Entwicklung in der Ukraine: „Ich mache mir schon Gedanken, ob man das Verhalten Putins nicht hätte voraussehen können. Aber wir haben uns hier einfach an unser friedliches Leben gewöhnt, obwohl weltweit ständig Kriege geführt werden. Aktuell heißt es für uns, zu keiner Seite den Gesprächsfaden abreißen zu lassen. Es muss ein Ausweg aus dem Krieg gefunden werden. Ein Frieden lässt sich nur mit Verhandlungen erreichen.“

Ohne Zweifel lässt sich mit dem Mega-Star der Schlagerszene auf hohem Niveau über historische Vergleiche in der Politik diskutieren. Da wird auch der Heavy-Metal-Fan neugierig und greift zur Biografie „Sonnenseite“, in der Roland Kaiser weitere Einblicke in sein Innenleben erlaubt. Vielleicht braucht es dann auch für den Rock-Freund noch nicht einmal „sieben Fässer Wein“, um sich einmal ein Konzert des zeitweisen Wahl-Morsumers anzusehen.


Geschrieben von: Peter Marnitz / veröffentlicht am: 12.04.2022
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