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Über das Sylter Archiv

Das Gedächtnis der Insel

Foto: Sylt Connected Evelyn Kraßmann leitet seit September 2020 das Sylter Archiv.

Insel Sylt. Zeitreisen sind nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zwar noch nicht möglich. Aber all die Dokumente, die im ersten und zweiten Stock der Alten Post in der Stephanstraße lagern, kommen diesem Menschheitstraum doch recht nahe. Denn dort ist das Sylter Archiv beheimatet und verwahrt rund 900 Regalmeter an Dokumenten zur Geschichte der Insel.
Gegründet wurde das Archiv im Jahr 1947, als das Keitumer Archiv und das Westerländer Stadtarchiv zusammengelegt wurden. Damals war es noch im Rathaus der Stadt untergebracht, bis dort im Jahr 1950 im Dachstuhl ein Feuer ausbrach und große Teile des Archivs zerstörte. Die Überreste, die durch private Schenkungen zumindest teilweise wieder aufgefüllt werden konnten, lagerten anschließend in der Sparkasse. Seit 1985 ist das insulare Gedächtnis am aktuellen Standort untergebracht.

Neben Akten der Verwaltung, einem Bildarchiv und der Kunstsammlung der Gemeinde Sylt finden sich dort unter anderem Gastgeberverzeichnisse und Prospekte, aber auch Lokal- und Kurzeitungen, eine große Bibliothek mit Werken über Nordfriesland und Sylt sowie Landvogtei-Akten aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Ein Großteil der Landvogtei-Akten ist durch den Brand im Rathaus beschädigt worden und wartet darauf, restauriert und auf Mikrofilm übertragen zu werden. Nur so können sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Um dies zu ermöglichen, müssen die Unterlagen in einem ersten Schritt durch einen Papier-Restaurator von Ruß und Partikeln befreit und das Papier stabilisiert werden. „Ich halte ständig Ausschau nach Fördermöglichkeiten, denn solche Projekte sind sehr kostenaufwendig“, erklärt Evelyn Kraßmann dazu.

Seit September 2020 leitet sie das Sylter Archiv und nicht nur in diesem Fall ist es ein langfristiger Zeithorizont, der ihre Arbeit bestimmt. Dies gilt auch, wenn sie darüber entscheidet, ob ein Dokument als archivwürdig gilt und eingelagert werden soll. Bei Unikaten und Unterlagen, die dem Nachweis von Rechtsansprüchen dienen, ist die Entscheidung einfach. Bei anderen Dokumenten muss die 38-Jährige beurteilen, welche Fragen spätere Generationen an das Material haben könnten. „Im Archiv denken wir in Jahrhunderten“, erklärt sie. Wenn sie davon überzeugt ist, dass das Interesse an dem jeweiligen Dokument über einen langen Zeitraum bestehen bleibt, findet es Eingang in das Magazin des Sylter Archivs – der Bereich, in dem die Dokumente eingelagert werden. Die gebürtige Hannoveranerin und ihr Team haben im vergangenen Jahr 645 Anfragen von Einheimischen, Gästen, Studierenden, Medienvertretern und nicht zuletzt Verwaltungsmitarbeitern bearbeitet. Themen wie die Inselbahn, der Hindenburgdamm oder die Sturmfluten und die Bädergeschichte werden regelmäßig angefragt. Die vorhandenen Unterlagen werden dann im separaten Leseraum den Nutzern zugänglich gemacht. Daneben gibt es aber auch immer wieder Anfragen, die die eigene Neugierde wecken. „Da läuft man dann Gefahr, bei dem Thema hängen zu bleiben“, erklärt sie schmunzelnd.

Neugierig ist Evelyn Kraßmann jedoch nicht nur im Job, sondern auch privat. Als sie im September 2020 von Sigmaringen in der Nähe des Bodensees nach Sylt zog, war sie zuvor noch nie auf der Insel zu Besuch. „Für mich ging es um die Stelle und die damit verbundene Aufgabe. Daher war ich auch bereit, für einen guten Job einen so weiten Umzug in Kauf zu nehmen“. Der damals herrschende erste Lockdown während der Corona-Pandemie ließ es nicht zu, ihre neue Heimat genauer zu erkunden. „Das hole ich jetzt immer noch nach und ich freue mich darauf, die Insel noch weiter zu erkunden.“


Geschrieben von: Sylt Connected / veröffentlicht am: 17.05.2022
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