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Ein Beitrag von Roland Klockenhoff

100 Jahre Naturschutz auf Sylt

Foto: NSG Sylt Das Morsum Kliff wurde im Jahr 1923 unter Naturschutz gestellt. Insgesamt wurde ein 43 Hektar großes Gebiet unter Schutz gestellt.

Insel Sylt. „Vor hundert Jahren wurden die ersten Naturschutzgebiete Schleswig-Holsteins auf Sylt eingerichtet, es waren das Listland und das Morsumkliff. Mitbeteiligt an diesen Unterschutzstellungen war der Verein Naturschutz Sylt, der ebenfalls im Jahr 1923 gegründet wurde.
Ein solches Jubiläum ist ein Grund zurückzublicken, innezuhalten und nach vorne zu schauen.
Das „Naturparadies“ Sylt war bereits Anfang des 18. Jahrhunderts von Forschungsreisenden, insbesondere von Ornithologen, entdeckt worden. In den Dünen brüteten Tausende von Möwen und besonders große Aufmerksamkeit erregten die Brutplätze der Kaspischen Raubseeschwalbe am Lister Ellenbogen. Die Insel war geprägt von einer jahrhundertelangen Nutzung als Leben mit und von der Natur.
Mit der Entdeckung von Sylt als Badeort und der zunehmenden Erschließung nicht zuletzt auch durch das Militär schwand der Naturreichtum und war zunehmend bedroht.
Auswärtige gründeteten den Verein Naturschutz Sylt, verbunden mit den Namen Ferdinand Avenarius und Knut Ahlborn. Dieser Verein besteht fort nach der Fusion mit der Bürgerinitiative gegen Atlantis, 1977 umbenannt in Naturschutzgemeinschaft Sylt. Langjährig prägte dann Clara Enss die Arbeit mit dem Vereinsmittelpunkt in Braderup und dem dortigen Naturzentrum. Der Verein mit vorwiegend Sylter Mitgliedern betreut auf Sylt die Naturschutzgebiete Braderuper Heide und das Morsumkliff, Er ist aktiv auf der ganzen Insel, in enger Zusammenarbeit mit den anderen Naturschutzvereinen. Seit Jahrzehnten engagieren sich anfangs Kriegsdienstverweigerer, später junge Erwachsene im Freiwilligen Ökologischen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst. Besonders hervorzuheben ist die Kinder- und Jugendarbeit des Vereins, neben mehreren Nachmittagsgruppen gehen alle Sylter Grundschüler in der dritten Klasse über ein Jahr jeweils einen Tag nach der 2. Schulstunde raus in die Inselnatur.
Mittlerweile stehen mehr als 50 Prozent der Inselfläche unter Naturschutz, Großeingriffe sind seltener geworden. Schwerpunkt der Arbeit ist zunehmend der Artenschutz, denn eine Unterschutzstellung ist keine Käseglocke, die Natur verändert sich, und es besteht auch auf Sylt großer Handlungsbedarf, die Vielfalt von Pflanzen und Tieren in dieser besonderen Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten. Die Artenvielfalt oder Biodiversität ist auch auf Sylt bedroht.
Es geht beispielsweise um Heidepflege, Wiederherstellung von Dynamik in den Dünen und Schaffung von Laichgewässern für Kreuzkröten, kleinräumige Schutzzonen am Strand, sogenannte Strandinseln,für Pflanzen und bedrohte Brutvögel und vieles mehr. Ein besonderes Thema ist die Landschaftsästhetik, denn auch hier gilt sinngemäß: „das Auge isst mit“.
Hierfür sind große Anstrengungen notwendig und dabei müssen die Menschen auf der Insel und besonders die Jugend mitgenommen werden. Man kann für Sylt sagen, der Naturschutz ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Diese besondere Naturausstattung der Insel ist die wirtschaftliche Grundlage des Tourismus. Auch und gerade dieser ist gefordert, einen verstärkten Beitrag zu leisten. Nachhaltigkeit darf nicht nur ein Schlagwort sein. Es stände der Insel gut an, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Hiervon ist die Insel aber noch weit entfernt. Die Notwendigkeit wird zunehmend erkannt, das Umsetzungstempo ist deutlich steigerungsfähig.“

Dr. Roland Klockenhoff ist Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft Sylt. Der Mediziner im Ruhestand, der in Keitum lebt, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Natur auf Sylt und darüber hinaus. Außerdem engagiert er sich für die Grünen in der Gemeinde Sylt.

Zum Jubiläum gibt es ein gerade erschienenes und von der Kritik vielgelobtes Buch, fachkundig recherchiert und verfasst von der Umwelthistorikerin Anna-Katharina Wöbse „Sylt – Die fragile Schönheit – 100 Jahre Naturschutz – Eine Inselgeschichte für 22 Euro


Geschrieben von: Roland Klockenhoff / veröffentlicht am: 23.05.2023
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